Weltweit und in Zürich gehen wieder mehr Frauen auf die Strasse, um gegen die aktuellen Angriffe von Rechts und für Emanzipation zu demonstrieren.

(fk) Die diesjährige revolutionäre Frauenkampftag-Demo in Zürich am 11.03.2017 war gross. Dies war sogar dem Telezüri-Journalist aufgefallen. Er konstatierte, die Demo sei von «einem überschaubaren Grüppli» in anderen Jahren zu einer Demo von 1500 Frauen geworden, darunter auffallend vielen jungen Frauen. Die Demo war wie immer kämpferisch, unbewilligt und thematisierte die verschiedenen aktuellen Bereiche des Frauenkampfes.

Passend zur diesjährigen Bündnisparole «Frauen, organisieren wir uns gegen Faschismus, Krieg und Patriarchat!» wurde am Paradeplatz die UBS mit Farbe markiert, sowie der Bullenposten an der Militärstrasse mit Farbe eingedeckt als Antwort auf die Repression gegen die Demo am 8. März. Denn dieses Jahr gab es wieder einmal eine Abend-Demo am 8. März selber. Rund 250 Frauen zogen lautstark und militant durch den Kreis 4 und die Europaallee, bis sie an der Lagerstrasse von der Polizei drei Stunden eingekesselt wurden. Weiter fand am 18.3. in Zürich der sogenannte «Women`s March» mit rund 17 000 Personen statt! Dazu aufgerufen hatte ein breites reformistisches Bündnis, dementsprechend heterogen waren die Forderungen. Nichtsdestotrotz muss festgehalten werden: So viele Frauen waren wohl seit dem Frauenstreiktag 1991 nicht mehr auf der Strasse, und für eine junge Frauengeneration waren das vielleicht die ersten Erfahrungen mit Widerstand auf der Strasse. Kurz: Es war ein heisser und frauenkämpferischer März in Zürich!

Und international?

Nicht nur in Zürich, sondern auch international regt sich vermehrt Widerstand gegen die reaktionären Angriffe auf Frauenrechte sowie Arbeits- und Lebensbedingungen proletarischer Frauen. Ein Beispiel ist der «International Womens Strike». Obwohl es vor allem ein Phänomen der «social media» ist, so ist es doch der Versuch, weltweit reale Frauenkämpfe zu verknüpfen und gemeinsam eine internationale Solidarität aufzubauen. Die Idee eines Frauenstreikes geht zurück auf den Frauenstreik in Island 1975. Damals streikten zu Hause und am Lohn-Arbeitsplatz rund 90% aller Frauen, um auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen aufmerksam zu machen. Nach dem Vorbild dieses Streikes organsierten die Frauen in Polen letzten Oktober ebenfalls einen Frauenstreik, der unter dem Namen «Schwarzer Montag» in die Geschichte einging. Grund für den Streik war der Versuch der rechtskonservativen, erzkatholischen Regierung, die Abtreibung praktisch vollständig zu verbieten. Das neue Abtreibungsgesetz wäre das rigideste in ganz Europa gewesen, doch aufgrund der massiven Mobilisierung an diesem Frauenstreik krebste die Regierung zurück und hat die Pläne vorerst auf Eis gelegt.

Gleichzeitig entstand am anderen Ende der Welt in Argentinien im gleichen Monat unter der Parole «Ni una menos» («Nicht eine weniger») eine Bewegung gegen die zunehmende Gewalt an Frauen, insbesondere gegen die Frauenmorde. Zehntausende gingen auf die Strassen und am 19. Oktober kam es ebenfalls zu einem nationalen Frauenstreik, nachdem eine 16-jährige unter Drogen vergewaltigt und anschliessend ermordet wurde. Dann war da noch die riesige Mobilisierung in den USA im Januar, als am Tag der Amtseinführung von Präsident Trump Hundertausende gegen die sexistische und rassistische Politik demonstrierten. Auch dort spielten Themen wie Sexismus eine zentrale Rolle und die Frauen waren massgeblich an der Mobilisierung beteiligt.

Was tun? Kämpfe verbinden

Aus all diesen Kämpfen entstand die Idee eines gemeinsamen Frauenstreik-Tages. Die Aktivistinnen dieser Kämpfe vernetzten sich weltweit, so dass am 8. März 2017 in mehr als 50 Ländern Aktionen, Demos und Streiks stattfanden unter dem gemeinsamen Aufruf «International Womens Strike – Solidarität ist unsere Waffe». Es ist schwer zu sagen, ob der Aufruf effektiv mehr Aktionen hervorgerufen hat oder ob er einfach die verschiedenen Prostete über die nationalen Grenzen hinaus verbunden hat. Bemerkenswert ist, dass der Aufruf von Streik spricht und sich in dieser Tradition sieht. Wenn Frauen ihre Arbeit verweigern wird klar, dass Geschlechterverhältnisse Produktionsverhältnisse sind. Wenn die weiblichen Arbeitskräfte fehlen und beispielsweise man(n) zu Hause die Kinder betreuen muss, offenbart sich, wie zentral die oft unsichtbare und nicht oder schlecht bezahlte Frauenarbeit fürs Kapital ist. Wird also ein Frauenstreik flächendeckend umgesetzt – wie damals in Island 1975 – ist der ökonomische Druck auf die Herrschenden so gross, dass Frauen nicht mehr ignoriert werden können. Auch wenn der internationale Frauenstreik am 8. März 2017 eher symbolischen Charakter hatte, so ist er doch ein Zeichen dafür, dass die Frauenbewegungen weltweit erstarken und dass es erneute Versuche gibt, die verschiedenen Kämpfe international zu verbinden – wie es bereits vor rund 100 Jahren die proletarische Frauenbewegung tat.

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