Der diesjährige 1. Mai steht unter dem Motto Den Spiess umdrehen. In diesen Zeiten ist der öffentliche Raum enorm wichtig für die Linke. Deshalb geht es darum, sich diesen Raum zu erkämpfen. So soll sichtbar werden, dass es gegen die Krise auch offensive, kämpferische Antworten geben kann.
Das Revolutionäre Bündnis Region Zürich organisiert - wie auch andere Bündnisse in Basel, Bern und Winterthur in diesem Rahmen zahlreiche politische Aktivitäten. Hier folgt eine Zusammenstellung:
Sauvages rund um den 1. Mai: Sich Raum nehmen
Jeden Freitag vom 17. April bis 8. Mai. findet nach dem Motto Sich Raum nehmen eine Sauvage (Platzbesetzung) statt, welche sich einem politischen Thema widmet:
17. 4.: Politische Krise Act: Lea-Won (Rap D)
24. 4.: Revolutionäre Jugend Acts: Thee Irma & Louise / DJ King Kong
1. 5.: siehe unten
8. 5.: Sich den Raum nehmen Acts: Micrometropolice / DJ Migros
1. Mai Antikapitalistischer Block an der Demo am Morgen
Wie letztes Jahr so fällt auch diesmal die Demonstrationsroute dem Machtanspruch der Gewerkschaftsführung zum Opfer. 2009, in diesem Jahr, wo die Wut auf die Banken von breiten Teilen der Bevölkerung geteilt wird, will die Gewerkschaftsführung in sozialpartnerschaftlich vorauseilendem Gehorsam die 1. Mai-Demo nicht am Paradeplatz vorbeiführen, sondern eine möglichst kurze Route.
Wir rufen deshalb auf, der Demo mit einem antikapitalistischen Block einen widerständischen, revolutionären Charakter zu verleihen. Auch in Basel, Bern und Winterthur soll die Kontinuität der revolutionären Linken durch einen Block gestalt annehmen.
Neben Live-Musik vom traditionellen Surprise Guest wird es im Block auch einige Kurzreden geben, u. a. über: Politische Krise Streikrecht verteidigen/Allpack-Streik Prekäre Jobs Gesammtarbeitsvertrag für Temporäre Politische Gefangene Migration Antifaschismus Vernetzungsaufruf für Arbeitskämpfe.
Es sind alle interessierten Kräfte eingeladen, weiter Reden zu halten.
Im Antikapitalistischen Block wird auch eine Delegation der Arbeiter der Officine Bellinzona und die Frauengruppe Officina Donna Bellinzona teilnehmen und eine Rede zu ihrer Situation halten. Sie haben letztes Jahr den aussergewöhnlichen Streik bei der SBB-Cargo in Bellinzona geführt und damit gezeigt, dass nur gewinnen kann, wer kämpft.
1. Mai Revolutionärer Treff am Nachmittag Informieren, diskutieren, handeln:
Auch dieses Jahr setzt der Staat und die Gewerkschaftsführung den Versuch fort, jegliche selbstbewusste politische Artikulation zu unterdrücken. Durch Entflechtung von Demo und offiziellem 1. Mai-Fest sollen am Tag keine politischen Aktivitäten stattfinden. Letztes Jahr haben wir dieser Strategie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf dem revolutionären Treff auf dem Kanzleiareal wurde ein Polit- und Kulturprogramm unter dem Motto Widerstandskultur verteidigen 1. Mai am 1. Mai organisiert, an welchem rund 1000 Leute teilnahmen. Schliesslich nahmen sich insgesamt 3000 Leute am Nachmittag den Raum.
Diese Widerstandkultur, den politischen Raum und die Strasse gilt es weiterhin zu verteidigen. Eine Kultur von unten lebt von der Beteiligung und Kreativität aller Teilnehmenden. Deshalb rufen wir dazu auf, erkämpfte Freiräume wie diesen zu erhalten und aktiv zu nutzen. Politik muss sich ihren Raum erkämpfen!
Der Treff
Auch dieses Jahr findet auf dem revolutionären Treff ein Kultur- und Politprogramm statt. Neben Verpflegung, Getränken, Bücherständen usw. informieren zahlreiche Stellwände und Informationen über die vielfältigen politischen Aktivitäten und Themen, mit welchen sich die revolutionäre Linke unter dem Jahr beschäftigt, so u. a. Migration, Antifaschistischer Widerstand, SVP, Revolutionäre Jugend, Streik bei INNSE, Netzwerk für eine kämpferische ArbeiterInnenbewegung, Entlassung bei Manor, Rote Hilfe International politische Gefangene, Frauenkampf, Prekäre Beschäftigung, Volkskrieg in Indien und Nepal usw.
Internationale RednerInnen
Während die Gewerkschaftsführung den 1. Mai von zu vielen ausländischen Organisationen säubern will, drehen wir den Spiess um. Im Sinne des Internationalismus haben wir vier spannende RednerInnen eingeladen, welche jeweils einen Beitrag zur jeweiligen Kampfsituation halten. Als politisch Aktive sehen wir uns mit ähnlichen Problemen konfrontiert, suchen wir darauf gemeinsam Lösungen, über die Landesgrenzen hinweg:
Sherman Austin (Rebell aus USA):
Sherman Austin ist ein erfahrener und ungebrochener Aktivist aus California (USA). Als Betreiber der Homepage RaiseTheFist.com, welche als Plattform für die Organisierung gegen Bullenrepression dient, bekam er 2002 den Patriot Act zu spüren. Um ein "Exempel zu statuieren" (so der Staatsanwalt) wurde an ihm als erster der Gesetzesartikel zur "Verbreitung von Informationen über Sprengstoff" ausgeübt und er wurde für ein Jahr Knast verurteilt. Als Anarchist ist Sherman Teil der revolutionären und klassenkämpferischen Bewegung und organisiert u. a. Widerstand gegen das WEF, gegen Klassenjustiz und gegen Repression.
Er wird eine Rede zur Situation der arbeitenden Bevölkerung in den USA unter Druck der kapitalistischen Krise halten und über die verschiedenen Widerstandsformen berichten.
Auch wird er als Rapper auf dem Treff ein Konzert abhalten.
Baskische Jugendbewegung:
Die Jugend ist ein aktiver Bestandteil der baskischen Befreiungsbewegung. Alle namhaften Jugendorganisationen wurden verboten. Doch der Kampf für ein sozialistisches und unabhängiges Baskenland geht weiter. Trotz massiver Repression hat die Jugend ihren politischen Einfluss und ihre Mobilisierungsfähigkeit nicht verloren. Ihre Erfahrung, sich unter repressivsten Bedingungen zu organisieren und politisch zu agitieren, ist heutzutage in Europa fast einzigartig. Über diese Erfahrungen wird ein/e baskische/r Jugendaktivist/Jugendaktivistin eine Rede halten. (Anmerkung: Die baskischen Jugendorganisationen wurden verboten. Unser/e Redner/in ist demnach nicht Mitgied in einer solchen Organisation)
Tayad (Türkei):
Die Tayad ist eine Solidaritätsstruktur der türkischen DHKP-C, hat eine starke Präsenz in der Türkei und gehört der Konstruktion für eine Rote Hilfe International an. Der Redner sass lange Jahre in türkischen Knästen und nahm aktiv an den Gefangenenkollektiven. So war er auch Teil der Kämpfe gegen die Zerschlagung der Gefangenenkollektive und gegen die Einführung der F-Typ-Gefängnisse im Dezember 1999. Erst nach mehrtägigen militärischen Angriffen konnte sich der türkische Staat gegen die Gefangenen durchsetzen und richtete ein Massaker an.
Der Redner wird zu den Kämpfen der revolutionären Gefangenen sprechen und über den 1. Mai in der Türkei berichten.
Revolutionäre Aktion Stuttgart (Deutschland):
Die Revolutionäre Aktion Stuttgart hat sich aus der Antifa-Bewegung in Stuttgart zu einer Organisation entwickelt, welche heute aktiv in der politischen Widerstandsbewegung, in Arbeitskämpfen und in der Internationalen Solidarität ist.
Zur Zeit sieht sich die revolutionäre Linke in Baden-Würtenberg mit einer enormen Verschärfung des Versammlungsgesetzes konfrontiert, welche eine Mobilisierung ohne völlige Kontrolle durch die Bullen unmöglich machen soll.
Die RednerInnen der RAS werden deshalb über die staatliche Repression sprechen, welche den Kampf auf der Strasse, aber auch bei Streiks kriminalisieren will. Sie werden aber auch über Organisierungsvorschläge gegen die Repression berichten.
Inhaltliche Interventionen
Der revolutionäre Treff soll Raum für verschiedene Inhalte und Widerstandsformen bieten. So wird es diverse Aktionen zu Themen wie politische Krise, Indien und Der Boss ist unsere Geisel geben.
Konzerte
Sherman Austin (Rapper aus den USA):
Sherman Austin tritt nicht nur als politischer Redner auf. Er verpackt das am 1. Mai auch zusätzlich in HipHop und zwar so gut, dass Zack de la Rocha (von Rage against the Machine) ihn empfiehlt.
Kaum aus dem Knast, veröffentlichte er das Album Silence is defeat und bezeichnenderweise wird das Album unter dem Slogan gehandelt: the album the FBI doesnt want you to hear. Wir werden es hören und es wird laut sein. Einige Tracks sind hier zu finden: www.shermanaustinmusic.com
Colectivo Error (Hardcore-Punk-Folk aus USA):
Für Colectivo Error ist Musik eine Art des Widerstandes. In ihrer Musik bekommen zerbrochene Familien, ausgebeutete Arbeiter, Studenten, die die Nase voll haben ihren vereinten Ausdruck. Sie soll aber gleichzeitig das Selbstvertrauen in unsere Fähigkeiten zum Widerstand wecken. Explizit nicht nur für den Fight Back, sondern für die Offensive! Also drehen wir den Spiess um!
Surprise Guest:
Der Act vom Demowagen am Morgen findet auch auf dem revolutionären Treff seine Fortsetzung. Seid gespannt.
DJ Punky:
Revolutionäres aus der Dose...
Veranstaltungen
Desweiteren sind zwei Veranstaltungen geplant:
2. Mai: Veranstaltung mit Baskischen JugendaktivistIn und Revolutionäre Aktion Stuttgart. Die GenossInnen erzählen über ihre Mobilisierungserfahrungen u. a. gegen das bevorstehende Versammlungsverbot. Danach: Film Das zerbrochene Fenster".
2. Mai, 20 Uhr, Volkshaus, Zürich
3. Mai: Sozialistische Perspektiven für die Zukunft - Krisendiskussion, organisiert von vorwärts und Rev. Aufbau.
Teilnehmer: Franz Fischer (PdA Basel), JuSo, Herbert Schuj (Die Linke), Res Kistler (Rev. Aufbau Schweiz):
3. Mai, 13.30 Uhr, Zeughaus 5, Kasernenareal, Zürich