Vom 9.-11. April findet im Zürcher Luxushotel Park Hyatt das 19te Europäische Gold Forum statt. Das Gold Forum in Zürich ist der europäische Ableger des Denver Gold Forum, die wichtigste Konferenz für börsenorientierte Goldminen-Firmen und ihre Investoren – in geringerem Masse nehmen auch Silber- und Palladiumproduzenten am Forum teil.

Teilnehmende Firmen des Zürcher Forums stammen hauptsächlich aus Kanada, vereinzelt auch aus den USA, Grossbritannien, Australien und Südafrika. Der Zweck des Forums liegt im Austausch zwischen potentiellen Investoren und Produzenten. Darüber macht man beim Gold Forum auch keine Geheimnisse. Für jede teilnehmende Firma findet sich auf der Veranstaltungswebsite Informationen zum aktuellen Aktienkurs, ihrem wirtschaftlichen Potenzial und ihren grössten Investoren.

Warum ist die Goldproduktion für die Umwelt problematisch?

Gold kommt nur in den seltensten Fällen derart rein vor (etwa als Nuggets), das es mechanisch von anderen Gesteinen abgelöst werden kann. In der Regel muss es chemisch gelöst werden. Industriell geschieht dies meist über das umweltschädliche Zyanid-Lauge-Verfahren. Hier wird dem verpulverten Gestein Zyanid beigefügt, das mit dem Gold eine Verbindung eingeht. In verschiedenen Filtrationsschritten kann das reine Gold dann vom restlichen Material getrennt werden. In kleineren Produktionen wird vor allem auf Quecksilber gesetzt. Dieses geht mit dem Gold eine flüssige Legierung ein. Danach wird diese erhitzt. Dadurch verdampfen toxische Schwermetall und übrig bleibt reines Gold.

Sowohl im Zyanid-Lauge-Verfahren als auch in der Produktion mit Quecksilber bleibt eine gigantische Menge giftiger Stoffe übrig. Giftstoffe müssten gereinigt und wieder abgebaut werden, allerdings senkt dies die Profite der Minenbetreiber. Es ist deswegen kein Wunder, dass es in den vergangenen Jahrzehnten zu zahlreichen Dammbrüchen von Auffangbecken mit kontaminiertem Wasser, Minenbrüchen und anderen Umweltkatastrophen gekommen ist. Jährlich landen hunderttausende Tonnen Quecksilber von Goldminen im Amazonas. Im Jahre 2000 brach der Damm einer Goldmine im rumänischen Baia-Mare. Gut 1400 Tonnen Fische starben in der Folge. 2014 brach der Damm einer Mine im kanadischen Mount Polley. 5000 Millionen Kubikmeter giftiger Schlamm ergossen sich in die umliegenden Flüsse. Die vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass Goldproduktion auch heute nicht ohne bleibende Umweltschäden funktioniert.

Welche Funktion hat das Gold Forum?

Das Europäische Gold Forum lädt Goldproduzenten ein und verkuppelt sie mit potenziellen Investoren, seien dies grössere Goldproduzenten oder aber bekannte Investoren, beispielsweise internationale Vermögensverwalter wie BlackRock oder VanEck. Dafür gibt es Präsentationen für die mehreren hundert potentiellen Investoren oder 1:1 Gespräche mit CEOs von aufstrebenden Goldunternehmen. Das Gold Forum spiegelt grob die Eigenschaften des Goldmarktes, in dem es wie in anderen Branchen auch einige wenige führende Unternehmen gibt, daneben aber zahlreiche kleinere Unternehmen um Investoren buhlen, die manchmal nur aus wenigen MitarbeiterInnen bestehen oder nur einer Mine betreiben. Präsentiert werden am Forum dann beispielsweise Pläne für den Goldabbau in Regionen, die bisher aufgrund der politischen Situation als zu risikoreich galten.

Eine Goldmine letztlich zu bauen, benötigt Investitionen in Geldbeiträgen, die kleinere Unternehmen nicht alleine stemmen können. Entsprechend notwendig sind Kontakte wie solche, die am Goldforum geknüpft werden können. Es ist davon auszugehen, dass das Goldforum wirtschaftlich vor allem für solche Projekte relevant ist, die (mehrheitlich im Trikont) neue Minenprojekte erarbeiten oder bestehende ausbauen wollen und dafür Investitionen brauchen.

Gibt es Beispiele dafür, was am Gold Forum passiert?

2006 präsentierte der kanadische Goldproduzent Nevsun Resources (seit 2018 Teil des chinesischen Bergbaukonzerns 2018 Zijin Mining) am Gold Forum in Denver seine Pläne für eine Gold-, Kupfer- und Zinkmine in Eritrea. Dank einem Deal mit dem eritreischen Staat würde man 60% der Mine besitzen, während 40% staatlichen Firmen gehören würden. Die geplante Bisha Mine wäre die erste Goldproduktion in Eritrea nach der Kolonialzeit. Der eritreische Staat bereitete bisherigen Investoren Sorgen, könnte er doch wann immer er will, zu Enteignungen drängen. John Clarke, der damalige CEO von Nevsun, beruhigte potentielle Investoren jedoch, indem er Eritrea als stabilen aufstrebenden Partner präsentierte. Auch dass über den Militärdienst, den eritreische Staatsbürger zu leisten haben, Zwangsarbeit gang und gäbe ist, drehte Clarke kurzerhand um. An seiner Projekt-Präsentation am Denver Gold Forum 2006 meinte er:

“Given that it is a poor country, they’re just using their resources extremely well, including their youngsters, who do a couple years national service after university, everybody contributing to nation building,”

"Wenn man bedenkt, dass es sich um ein armes Land handelt, nutzen sie ihre Ressourcen extrem gut, einschließlich ihrer jungen Leute, die nach der Universität ein paar Jahre im Zivildienst arbeiten, und alle zum Aufbau der Nation beitragen."

Von diesem «Nation-Building», das für hunderttausende Menschen Zwangsarbeit bedeutet, profitierte Nevsun. Bis heute laufen in Kanada Klagen von ehemaligen Zwangsarbeitern, die davon berichten wie sie auf der Baustelle der Mine arbeiten mussten. Diese Situation war 2006 bestens bekannt, hindert allerdings Investoren nicht daran, Profite aus dem Projekt zu ziehen – ganz im Gegenteil, dient dies doch als Wettbewerbsvorteil: Nevsun bewarb sich immer als ein Unternehmen, das äusserst günstige Produktionskosten hat. Die ersten Investoren wie die Deutsche Bank mussten zwar aufgrund bestehender Sanktionen gegen Erritrea wieder vom Projekt abspringen, andere Investoren, wie beispielsweise Vermögensverwalter wie BlackRock, investierten aber mit Freude in das Projekt. Auch Schweizer Institutionen investierten in Nevsun, beispielsweise die Nationalbank oder die Zürcher Kantonalbank, allerdings in geringere Ausmasse. Die Mine in Eritrea gilt bis heute als Vorzeigeprojekt. Der CEO von Nevsun gehört zu den 100 am besten bezahlten Manager Kanadas.

Nevsun besitzt wie viele Unternehmen eine Organisationsstruktur, die von aussen nur schwer zu durchschauen ist. Dem kanadischen Unternehmen unterstellt sind drei in Barbados angesiedelte Subunternehmen, deren unterste Tochtergesellschaft wiederum die Anteile an der eritreischen Mine besitzt. Solche Strukturen dienen der Steueroptimierung als auch als rechtlicher Schutzmechanismus. Bis heute behauptet das kanadische Unternehmen in Eritrea keine ZwangsarbeiterInnen eingesetzt zu haben. Tatsächlich sind an der Mine derart viele Subunternehmen und eritreische Partnerfirmen beteiligt, dass rechtlich nachweisbare Verbindungen nach Kanada nur schwer hergestellt werden können. Um solche Verbindungen einzugehen nutzen Bergbaufirmen in der Regel Finanzberater, die ihnen das Geschäft zwischen Hauptsitz und Land des Minenbetriebes ermöglichen und erleichtern. Nevsun setzte dabei auf die in den Cayman Islands beheimatete Beraterfirma Endeavour Financial, eine jener vielen Firmen, die man in den Panama Papers als Zwischenhändler dubioser Finanzgeschäfte findet und die häufig Teil ausbeuterischer Minendeals ist.

Das Beispiel Nevsun lässt sich verallgemeinern: Das Gold Forum dient in der Regel als erster Schritt für Investoren, bevor Geschäfte und Bauprojekte über nur schwer zu durchschauende Geschäfte international abgewickelt werden. Es hat damit eine konkrete wirtschaftliche Funktion im internationalen Goldmarkt und ist nicht einfach ein symbolischer Ort des Austauschs.

Welche Rolle spielt die Schweiz?

Will eine Gold Mine erfolgreich sein, braucht sie Raffinerien, die das geschürfte Gold verarbeiten und es beispielsweise in die bekannte Barren-Form pressen (ein Grossteil des weltweit geschürften Goldes wird allerdings für Schmuck verwendet). Hier nimmt die Schweiz eine Vorreiterrolle ein. Bis zu 70% des weltweit gehandelten Goldes gelangt in die Schweiz. Vier der weltweit grössten Raffinerien sind hier ansässig (Pamp in Castel San Pietro, Valcambi in Balema, Argor-Heraeus in Mendrisio und Metalor in Neuchâtel). Auch aus Eritrea wurden zwischen 2011 bis 2013 22 Tonnen Gold im Wert von rund 400 Millionen Franken importiert. Schweizer Unternehmen profitieren sowohl als Anleger als auch als Verarbeiter von den miesen Arbeitsbedingungen in Eritrea. Zürich ist zudem wichtiger internationaler Ort des Goldhandels. Kein Wunder heisst man Treffen wie das Gold Forum in der Schweiz gerne willkommen.

Die Goldindustrie bekam stets die Unterstützung durch die Politik. Zwischen 1981 und 2014 wurde beispielsweise der Goldimport und -export in der Schweizer Aussenhandelsstatistik nicht nach Ländern aufteilt. Umso sicherer war der Handel mit jedem Regime und Staat dieser Welt, beispielsweise mit dem Apartheitsstaat Südafrika. Auch sonst scheint man der Goldindustrie die grösst möglichen Freiräume einzugestehen. In einem Bericht von 2018 musste sich der Bundesrat zur Menschenrechtslage in der Goldproduktion äussern. Man anerkannte zwar, dass es Probleme gebe, mehr als «freiwillige Massnahmen» wollte man dann aber nicht vorschlagen. Zu stark ist der Druck des internationalen Marktes und seine führende Rolle will man aufgrund von Umweltproblemen und Ausbeutung dann auch nicht einfach aufgeben. So sieht Politik im Interesse des Kapitals aus.

Warum ist der Widerstand gegen das Gold Forum Teil der internationalen Solidarität?

Mit dem Gold Forum findet ein wichtiges Treffen in Zürich statt, das der weltweiten neokolonialen Ausbeutung dient. Gegen die Goldindustrie gibt es seit Jahren Widerstand. Gegen fast jeden Teilnehmer des Forums gab es in den letzten Jahre Proteste. In diesem Frühjahr gingen in Ghana beispielsweise ArbeiterInnen gegen den Forumsteilnehmer Asanko Gold auf die Strasse, weil dieser nicht wie versprochen lokale ArbeiterInnen einstellte und die Umwelt zerstörte. Ghana ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, wieso der weltweite Goldabbau als Teil eines neokolonialen Unterfangens verstanden werden kann. Wie so viele Regionen auf dieser Welt auch, musste Ghana durch eine Reihe von durch den IWF vorangetriebenen Strukturanpassungsprogramme. Seit 1983 wurden mehr als 130 staatliche Firmen privatisiert, darunter auch der Minen-Sektor. Mittlerweile gehört ein Grossteil des Minensektors westlichen Grossunternehmen, die meisten der Goldbetriebe sind kanadischen Unternehmen. Während Investoren an Foren in Europa und in den USA darüber debattieren, wie ein grösstmöglicher Profit aus den Ressourcen geschlagen werden kann, sieht die lokale Bevölkerung nichts vom erwirtschafteten Geld.

Andere Beispiele für den Widerstand gegen Teilnehmer des Gold Forums lassen sich beliebig aufzählen: Seit Jahren protestierten AnwohnerInnen in Peru gegen die Minen des kanadischen Unternehmens Newmont, das ebenfalls am Forum in Zürich teilnehmen wird. Auch in Rumänien fanden in den letzten Jahren Proteste gegen Newmont statt. Eine internationale Delegation beteiligte sich auch an den Protesten 2013 gegen das Gold Forum in Zürich. In diesem Frühjahr forderten ArbeiterInnen in Südafrika nach einem Streik internationale Investoren auf, ihr Geld vom Forumsteilnehmer Sibanye-Stillwater abzuziehen. In den letzten Jahren starben jedes Jahr zahlreiche Menschen in den Minen von Sibanye-Stillwater, weil diese auf Schutzmassnahmen verzichteten. Zudem entliess das Bergbauunternehmen in den vergangenen Monaten tausende Menschen, ohne ihnen eine Zukunftsperspektive anbieten zu können. Das amerikanische Unternehmen Hecla Mining, in das auch Schweizer Banken wie die UBS oder die CS investiert haben, musste sich in den vergangenen Jahren mit Protesten wegen weitreichender Wasserverschmutzung auseinandersetzen. Wo immer die Goldindustrie versucht ihre Machenschaften durchzusetzen, wehren sich ArbeiterInnen und AnwohnerInnen. Entsprechend wichtig ist es als Zeichen der internationalen Solidarität auch in Zürich unseren Widerstand auf die Strasse zu tragen.

9. April: Gold Forum aufschürfen. 18:30, Tramhaltestelle Stockerstrasse.

Quelle: https://barrikade.info/Warum-braucht-es-Widerstand-gegen-das-Gold-Forum-2092

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