Heute hat sich eine Gruppe von FTIQ*+ die Strasse genommen, um eine klare Botschaft zu senden: der feministische Widerstand ist real! Wir sind selbstbestimmt hier, ohne um Erlaubnis zu fragen. Wir bilden Banden und machen unsere Wut gegen das herrschende System sichtbar

Egal wie gross der Repressionapparat ist, den ihr auffahrt: wir hören nicht auf, Widerständig zu sein. Die Langstrasse wurde zu einem Raum, der FTIQ*+ gehört. Zusammen sind wir stark. Kompliz*innenschaft heisst zusammen kämpfen. Hören wir auf damit, im Wettbewerbswahn gegeneinander zu hetzen. Egal wie unterschiedlich wir sind: Bilden wir Banden, stehen wir zusammen und holen wir uns unsere Körper zurück. Wir solidarisieren wir uns mit den feministischen Kämpfen weltweit. Wir kämpfen weiter, bis das Patriarchat in Trümmern liegt.

Warum ist dieser Kampf so nötig? Sexualisierte Gewalt gehört in dieser Gesellschaft zum Alltag. Das zeigt sich offensichtlich auch in diesem Quartier. Die Langstrasse wurde mehr und mehr zum Party- und Konsum-Gebiet und sexualisierte Gewalt, gerade im Nachtleben, für fast alle von uns erlebbar. Cis-männlich dominierte Dynamiken und Verhaltensmuster verunmöglichen es vielen FLINT-Menschen sich hier frei zu bewegen.

Die Langstrasse war lange Zeit der Ort von Arbeiter*innen-Familien, Migrant*innen, Menschen mit wenig Geld oder Anspruch auf Luxus, es war Rotlichtmilieu und sozialer Knotenpunkt. In den letzten Jahren wurde die Langstrasse von der Gentrifizierung überrollt: Weniger verdienende Familien werden aus ihren Quartieren verdrängt, Sexarbeiter*innen gezielt an den Stadtrand verlagert. Die Polizei versucht mit rassistischen Personenkontrollen Migrant*innen zu vertreiben. Alles nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn.

Im Zuge der sich verschärfenden kapitalistischen Logik werden ohnehin schon ausgebeutete und unterdrückte Menschen in die Aussenquartiere verdrängt. In diesem Zuge wird auch die unbezahlte, hauptsächlich FLINT-Menschen auferlegte, Reproduktions-Arbeit (Kindererzieheung, Hausarbeit, Care-Arbeit) an die Stadtränder ausgelagert. Diese Entwicklung bedeutet weitere Isolation sowie gesellschaftlichen und politischen Ausschluss für einen grossen Teil der städtischen Bevölkerung.

Die kapitalistische Wirtschaftsvormacht produziert entfremdete Arbeitsmaschinen, die sich bis zum Umfallen abrackern. Die Entfremdung von sich und seiner Umwelt legt den Grundstein, um die Körper von Frauen*, Trans*, Inter*, Lesben* und Genderqueeren* Menschen als reine Objekte zu betrachten. Sie werden angestarrt, angemacht, angegrapscht, angegriffen – gerechtfertigt durch eine sozial erlernte Hierarchisierung der Geschlechter.

Der Staat und seine Polizei werden uns nicht schützen, denn sie sind Teil vom System, welches sexualisierte Gewalt produziert und aufrechterhält. Die kapitalistische Gesellschaft ist eine Klassengesellschaft - die, die arbeiten und die, die über Kapital verfügen und so von der Arbeit anderer leben. Sexismus und Rassismus sind dabei tragende Grundbausteine, die dieses Konstrukt stabilisieren. So wird uns jeden Tag beigebracht, dass die Einen mehr "wert" sind als andere. Sexismus und Rassismus stabilisieren die dafür notwendige Auffassung, dass gewisse Menschen weniger wert sind als andere.

Um eine wirkliche feministische Befreiung zu erreichen, reicht es nicht, ein paar Frauen im Parlament zu haben. Um die wirkliche feministische Befreiung zu erreichen, muss dieses System, wie wir es kennen, weg.

Ni una Menos!
Gemeinsam holen wir alles zurück – den Tag und die Nacht!

Was kannst du tun? (Ein paar unverbindliche Anregungen)

- Bildet Banden - mit FLINT-Menschen deines Vertrauens.
- Wenn du siehst, dass jemand blöd angemacht wird, hohle deine Kompliz*Innen und geht dazwischen.
- Wenn du dich bedrängt fühlst, wehre dich - wenn du dich alleine nicht getraust:
Hole deine Kompliz*Innen und wehrt euch gemeinsam.
- Organisiert euch, um euch finanziell und sozial unterstützen zu können.
- Organisiert euch, um politisch reagieren zu können.
- Feiere deine Existenz und deinen wunderschönen Körper.
- Lies das Buch "Caliban und die Hexe" von Silvia Federici.
- Mittelfinger hoch an alle Macker.
- Lass das schmutzige Geschirr stehen.
- Respektiere deine eigenen Grenzen und die der Anderen.
- Verlange mehr Lohn und gehe weniger arbeiten.
- Verteile Kondome an die Polizei und Politiker.
- Denk dir selber noch was aus: keine abschliessenden Listen.

BEGRIFFE:
FLINT = Frauen*, Lesben*, Interpersonen*, Nonbinary* (nicht Mann oder Frau), Transmenschen*
(diese Kategorisierungen werden zusammengenommen, weil alle vom Patriarchat negativ betroffen sind)
Cis = sich dem biologischen Geschlecht zugehörig fühlend. Du hast einen Frauen*körper und fühlst dich als Frau*, dann bist du eine cis-Frau*.
Gentrifizierung: Stadtaufwertung. Z.B. wird ein spezifisches Bild einer Stadt konstruiert, welches Wohlstand, Sicherheit und Aufstieg vorgaukelt, ohne die richtigen Probleme wie Verarmung, sexualisierte Gewalt, Ausbeutung anzugehen. Das «Schlechte» wird aus den Augen geschafft, die Partizipation am öffentlichen Leben den wenigen zahlkräftigen Menschen vorbehalten.
* : Sternchen - Alles konstruiert.

Von: https://barrikade.info/article/3251 

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