Rezension von Thomas Meyer-Falk zur Biografie über Marco Camenisch

Biografie über das Leben Marco Camenischs erschienen !

Nicht oft ereignet sich, dass über einen noch lebenden Gefangenen eine Biografie publiziert wird. Im April 2015 erschien im Schweizer Echtzeit Verlag (http://www.echtzeit.ch) ein rund 200 Seiten starkes Buch über Leben, Kampf, Widerstand und Liebe des nicht nur in der Schweiz bekannten Anarchisten Marco Camenisch.

Geboren Anfang 1952 im Unterengadin führte der Lebensweg von Camenisch schon früh in den Widerstand; wie bei nicht wenigen ProtagonistInnen der damaligen Zeit politisierte ihn u.a. der Protest gegen den Bau von Atomkraftwerken. Jedoch verstand er alsbald, dass bloße Demonstrationen und das Verteilen von Flugblättern die Atomwirtschaft weder beeindrucken, geschweige denn aufhalten würde, sondern direkte Aktionen, in seinem Fall, Angriffe auf Strommasten, erforderlich sein würden.

Der Schweizer Journalist und Lehrbeauftragte an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Kurt Brandenberger, beschreibt ebenso spannend wie authentisch, gestützt auf intime Aktenkenntnis, vertieft durch Gespräche mit FreundInnen, WegbegleiterInnen und Familienangehörigen Camenischs den Weg des jungen Marco, der in einem kleinen Dorf aufwuchs, als Sohn eines Grenzwächters, hinein in den aktiven politischen Widerstand.

Nach einem Sprengstoffattentat auf ein Kraftwerk an Weihnachten 1979, erfolgter Festnahme und Untersuchungshaft erging 1981 das drakonische Urteil: 10 Jahre Zuchthaus für Marco und siebeneinhalb Jahre für seine Genossen.

Ein klassisch politischer Strafprozess war es gewesen, viel Solidarität von außen, politische Erklärungen der Angeklagten. Die Rede die Marco vor Gericht hielt, 'Friede den Hütten – Krieg den Palästen' analysierte die politischen Hintergründe für den Anschlag und zeigte auf, weshalb es notwendig geworden war zu handeln!

Wenige Monate nach der Verurteilung, gelingen Marco und anderen Gefangenen die Flucht; rund zehn Jahre wird er in Freiheit, in Italien leben, bevor er 1991 erneut verhaftet wird.

Auf den 200 Seiten erzählt Brandenberger das Leben eines widerständigen Menschen, der ohne Rücksicht auf sich selbst, für eine politische Idee und deren Umsetzung brennt. Dabei ist die Biografie nie der Versuchung erlegen eine Gefälligkeitswerk zu werden. Kritische Aspekte bekommen ihren Raum- da ist beispielsweise die Rolle als Vater. Durch Haft und Flucht war er nie wirklich präsent im Leben seiner Tochter, wie sie selbst in Gesprächen mit Brandenberger erklärt.

Erst am 08.Mai 2018 wird Camenisch auch den letzten Hafttag verbüßt haben, und erst dann will die Schweizer Justiz ihn frei lassen. Kürzlich bekräftigte dies das Kantonale Amt für Justizvollzug, verlangte ultimativ als Voraussetzung für die Gewährung von Hafturlauben und ähnliche Lockerungen des Vollzugsregimes, dass er sich ein „delinquenzfernes soziales Umfeld“ aufbaue, er sich folglich von seinem langjährigen Kreis an FreundInnen und GenossInnen trennen müsse, bevor man irgendwelche Maßnahmen erwägen könne. Eine ebenso indiskutable wie abstruse Forderung der Schweizer Justizbehörden.

Brandenbergs Buch gewährt einen mitunter sehr intimen Einblick in das Leben eines politischen Aktivisten, vermittelt ein Bild der Kämpfe der 70er/80er Jahre und gibt lebendig Zeugnis davon, wie ein Mensch auch nach Jahrzehnten der Haft aufrecht geblieben ist, dessen Herz unverändert für den Widerstand schlägt.

Bibliografische Angaben:

Kurt Brandenberger

' Marco Camenisch – Lebenslänglich im Widerstand'

Echtzeit-Verlag (Schweiz)

ISBN: 978-3-905800-92-0

Preis: 29 Franken

Thomas Meyer-Falk, c/o JVA (SV)

Hermann-Herder-Str.8, D-79104 Freiburg

http://freedomforthomas.wordpress.com

ZH: SBB mit Rakete angegriffen!

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/143936

Wir haben heute, 21. Mai, die SBB IMMOBILIEN an der ZOLLSTRASSE in ZÜRICH angegriffen. Wir wählten diese Adresse der SBB Immobilien, da sie sich in unmittelbarer Nähe sowohl der (fast) vollendeten Europaallee wie auch der noch zu bauenden Zollstrasseüberbauung befindet. Vor dem Hintergrund der kapitalistischen Krise und der immensen Bedeutung, welches die Stadtentwicklung im Dienste des Kapitals als profitträchtiger Sektor in sonst so krisenhaften Zeiten annimmt, war es an der Zeit, dem Staatsbetrieb, welcher bei der Stadtaufwertung kräftig mitmischt, einen Besuch abzustatten.

Die Krise des Kapitalismus ist zur Normalität geworden, seit 2008 ist sie allgegenwärtig. Die Konsequenzen sind vielfältig. Unter anderem drängt sie die Städte zu einer verstärkten Standortpolitik, sowohl bezüglich Sitz von Unternehmen, finanzstarker Kapitalisten und gewinnträchtigen Immobilien. Zürich als Global City, im Wettbewerb mit den Global Players! Überhaupt wirkt es so, als versuche man mittels englischer Schlagwörter die Krise wegzureden. Doch der Wettbewerb hat reale Konsequenzen, setzt urbane Aufwertung, gehobene Konsummöglichkeiten und die Abwesenheit von 'Kriminalität', Drogenszene, Bettelei, 'Vandalismus', überhaupt der marginalisierten Bevölkerungsgruppen, voraus. Diese werden aus bestimmten städtischen Räumen hinaus gesäubert. Im Kreis 4 steht das von den linksgrünen PolitikerInnen initiierte berüchtigte Projekt 'Langstrasse plus' mit dem Abriss der 'Perla-Mode', einem Raum der versuchte, sich nicht gänzlich der Profitlogik hinzugeben, vor der Vollendung. Das 'Langstrasse plus' Projekt, welches von 2001 bis 2010 lief, hatte zum Ziel, die Langstrasse aufzuwerten. Geleitet wurde es von Rolf Vieli und der damaligen Polizeidirektorin Esther Maurer (SP).

Die SBB drehen mit der 'Wertsteigerung der Grundstücke und Immobilien' entlang der Bahnareale am HB Zürich kräftig mit an der Schraube der kapitalistischen Urbanisierung in Zürich. Schon wichtiger Akteur an der Zerstörung des Areals an der Lagerstrasse hin zur Europaallee, werden nun an der Zollstrasse weitere Luxusimmobilien hingeklotzt. Das Wirken der Bundesbahnen beschränkt sich nicht nur auf Zürich, da Städte und Gemeinden oft rund um Bahnhöfe entwickelt wurden und immer mehr Bahnhofsschalter zugehen, steht der SBB immer mehr Fläche an zentraler Lage zur Entwicklung zur Verfügung. In ihren Worten: "SBB Immobilien baut auf eine Vielzahl verkehrstechnisch optimal erschlossener Objekte." Dabei klotzen sie, statt zu kleckern. Als gewinnträchtige Sparte des Gesamtunternehmens wurden Profitchancen erkannt (während im Personenverkehr die Defizite durch immer höhere Ticketpreise reduziert werden sollen). So war der Gewinn der Bahn 2014 nur dank den Immobilien überhaupt positiv. Der Anteil eher günstiger Wohnungen in ihrem Portfolio soll von jetzt rund 80% künftig auf einen Drittel gesenkt werden, eine Direktive, die direkt aus dem Bundesratssitzungszimmer kam. Und so werden Bonzenbauten wie an der Europaallee rund um Bahnhöfe auch in Luzern, Olten, St. Gallen, Bern oder Basel zur von oben abgesegneten Realität, kein Zufall, sondern klar deklarierte Strategie. Wobei man zugleich sagen muss, dass Zürich tatsächlich ein grosses Standbein der SBB'schen Immobilienstrategie ist, 10 Projekte (nebst der Europaallee in Schlieren, Altstetten, Oerlikon oder Tiefenbrunnen) werden aktuell bei ihnen aufgeführt. Angriffsziele genug also.

Das Kapital und sein Staat sind mächtig, zugleich aber auch verletzlich und angreifbar. Wo aus Resignation und Ohnmacht Wut und Widerstand auf der Strasse wird, werden den Herrschenden Grenzen gesetzt. Streiks, Mobilisierungen, Sabotage, militante Angriffe von in- und ausländischen ProletInnen, das ist die Antwort auf die kapitalistische Aufwertung. Als internationales Phänomen provoziert die kapitalistische Stadtaufwertung in verschiedensten Situationen verschiedene Reaktionen. Es gibt zahlreiche positive Bezugspunkte, wo mittels Organisierung, klarer Zielsetzung und einer Politisierung der Stadtentwicklung entgegen gehalten wurde (wir blicken hier nach Griechenland, Italien oder Deutschland). Im besten Fall wurden die Pläne von oben durchkreuzt, langfristig wichtig bleibt die zurückbleibende Kampferfahrung aus den Auseinandersetzungen. Als strategische Kategorie, in der revolutionäre Politik stattfindet, muss uns der Raum, in dem wir uns bewegen, etwas angehen (ein Fakt, den die bürgerlichen Strategen längst begriffen haben). Die politische Bedeutung des Raums sehen wir auch am vergangenen 1. Mai in Zürich, wo die bewilligte Demonstration am morgen die Massen in den Kreis der Bourgeoisie leitete, zugleich jede Zuspitzung oder Konfrontation mit der Bourgeoisie und deren Staat mied, und damit letztlich nicht Bruch, sondern Partnerschaft propagiert. Eine Politik, die zu verurteilen ist. An den Antworten gegen die kapitalistische Stadtaufwertung beteiligen wir uns, gegen die Stadt der Kapitalisten, für eine Stadt von unten.

Für eine revolutionäre Perspektive!

Farbanschlag gegen das Gericht Wengihof in ZH

Quelle: http://ch.indymedia.org/de/2015/05/94983.shtml

Heute Abend, dem 2. Mai 2015, haben wir das Gerichtsgebäude beim Wengihof in Zürich mit Farbe verunstaltet. Die Aktion sehen wir als Beteiligung an all jener Kämpfe, die am 1. Mai auf die Strasse getragen wurden.

Nach dem sich bereits am Morgen über 10'000 Menschen, davon etwa 800 im revolutionären Block, an dem 1. Mai-Umzug in Zürich beteiligten, liessen sich auch am Nachmitag viele nicht vom enormen Polizeiaufgebot (Vorsteher ist, dies nur ganz nebenbei erwähnt, weiterhin Wolff der AL) nicht davon abhalten, sich in den Kreis 4 zu bewegen.

Zwar wurde die revolutionäre Demo nach dem Start gestoppt, auf dem Helvetiaplatz fand darauffolgend jedoch eine Kundgebung mit verschiedensten Aktionen statt. Dies zeigt, dass es auch an Tagen wie dem 1. Mai möglich ist, den öffentlichen Raum mit revolutionären Inhalten zu füllen.

Bereits vor dem bewilligten Umzug am Morgen, wie auch nach den am Nachmittag stattfindenden Auseinandersetzungen wurden immer wieder Leute kontrolliert und verhaftet. Überraschend kommt dies für uns jedoch nicht. Denn die Repression handelt immer im staatlichen Auftrag, zwecks Sicherung des bestehenden Systems und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen. Dabei bedienen sie sich verschiedenster Werkzeuge: Die Riot-Cops auf der Strasse, technologische Fortschritte im Überwachungsbereich, die vor Wut schäumenden StaatsanwältInnen, aber natürlich auch die Gerichte und Knäste.

Dies alles lässt uns aber weder einschüchtern, noch aufhalten. Wir fühlen uns verbunden mit all jenen, die ihren Widerstand, ob friedlich oder militant, auch am diesjährigen ersten Mai am Morgen und später im Kreis 4 auf die Strasse getragen haben. Weiter sehen wir uns in Komplizenschaft mit all jenen, die Ihre Wut über die Herrschenden und das Bestehende militant zum Ausdruck brachten. Und wir solidalisieren uns mit all jenen, die verhaftet und eingeknastet wurden.

Auch wenn wir am 1. Mai zahlenmässig und technisch dem Staatsapparat unterlegen sind, gibt es immer Möglichkeiten, die Kräfteverhältnisse in kurzen Momenten zu unseren Gunsten zu kippen, das Gewaltmonopol und Legalitätsprinzip zu durchbrechen und überraschend, aber zielgerichtet zuzuschlagen.

Zuletzt wollen wir mit dieser Aktion unseren anarchistischen Genossen Marco Camenisch und den Gefangenen vom 1. Mai 2012, der zurzeit seine Haftstrafe in Halbgefangenschaft in Winterthur absitzt, grüssen.

Drinnen und draussen – Kampf dem Staat und Kapital!

Sechseläutenplatz eingefärbt!

Wir haben gestern Nacht im Vorfeld des revolutionären 1. Mai einen Teil des Sechseläutenplatz am Bellevue rot eingefärbt. Die Aktion ist ein Zeichen gegen die Tatsache, dass die bewilligte Demonstration am Morgen des 1. Mai auf dem Platz der Zünfter im Quartier der Bonzen endet, statt dass man den 1. Mai dorthin trägt, wo historisch die ArbeiterInnenbewegung in Zürich ihre Wurzeln hat, in den Kreis Vier nämlich.

Wir bieten damit denjenigen die Stirn, welche die Demonstration am Morgen als "Publicity-Stunt" sehen, an welchem man sich symbolträchtig und in Pose fotografieren lässt, während man zugleich Sozialpartnerschaft und Arbeitsfrieden predigt. Als politisch symbolträchtiger Tag ist es klar, dass der 1. Mai Begehrlichkeiten bei denen weckt, die sich auf die Geschichte der Arbeitskämpfe beziehen, zugleich aber kämpfende ArbeiterInnen blossstellt. So geschehen bei verschiedenen Streiks, wo die Gewerkschaftsspitzen der Unia oder des VPOD hinter dem Rücken der Streikenden am Tisch mit den Bossen einen Deal aushandeln, der ohne reale Konsultation der Betroffenen abgeschlossen wird. Sie verwalten damit die Krise in ihren Konsequenzen gegen unten, eine Art neue Form der Sozialpartnerschaft.

Darum verwehren wir uns dagegen, dass die Gewerkschaftsspitzen den 1. Mai für sich alleine beanspruchen und dabei alles daran setzen, jede mögliche Provokation der KapitalistInnen zu vermeiden. Wie sonst lässt sich erklären, dass die Demonstration seit Jahren am Morgen den Paradeplatz meidet, den Platz, der sinnbildlich für den Finanzplatz Schweiz steht? Wie sonst lässt sich erklären, dass die Demonstration die Quartiere links liegen lässt, wo die leben, welche mitdemonstrieren? Wie sonst lässt sich das Denunziantentum und Anbiedern der Gewerkschaftsspitzen bei der Stadtpolizei Zürich erklären (indem man stets die "gute Zusammenarbeit" mit den Bullen lobt)?
Wir kämpfen für einen lebendigen und kämpferischen 1. Mai, der sich nicht an Auflagen von oben hält. Einen 1. Mai, der dort stattfindet, wo sich Widersprüche zuspitzen (wie im Zuge der Stadtaufwertung im Kreis Vier - siehe Europaallee oder Verdrängung der Sexarbeiterinnen). Einen 1. Mai, der authentischer Ausdruck der Kämpfe von unten ist, bei dem auf der Strasse (und nicht in Parlamenten oder Hörsäälen) verschiedene Kampffelder zusammen kommen und damit die Vielfalt der linken Bewegung zum Ausdruck bringt. Kommt am 1. Mai in den Kreis Vier, tragen wir den 1. Mai in unser Quartier, nicht in ihres!

Heraus zum revolutionären 1. Mai - im Quartier statt bei den Zünftern!

Quelle: http://ch.indymedia.org/de/2015/04/94959.shtml

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