Wandzeitung zum 25. November (PDF)

Der 25. November wurde 1989 von verschiedenen Frauenorganisationen in Asien, Lateinamerika und Afrika zum internationalen Kampftag gegen alle Formen von Gewalt an Frauen ernannt. Jedes Jahr finden an diesem Tag weltweit Demonstrationen und Aktionen statt.

Die neuesten Zahlen der UNO sind alarmierend: Weltweit sind 70% der Frauen von Gewalt betroffen. Eine von drei Frauen ist physischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt, oft durch den eigenen Partner. Mehr als 700 Mio. Frauen wurden bereits als Kind verheiratet. Nur ¼ aller Länder verbieten die Vergewaltigung in der Ehe. 133 Mio. Mädchen erlitten eine Form von Genitalverstümmelung. Allein in Indien werden jährlich rund 8000 Frauen ermordet, aber auch in Lateinamerika ist der Feminizid weit verbreitet, in anderen Ländern die Ehrenmorde, usw.

Mord und Vergewaltigung sind die extremsten Beispiele von Verachtung und Gewalt gegen Frauen. Doch beginnt die Gewalt gegen Frauen bereits bei der rollenspezifischen Erziehung von Mädchen, der geschlechtsspezifischen Berufswahl, bzw. Arbeitsteilung bei der Haus- und Familienarbeit, der massiven Lohnnachteile für Frauen oder der Vermittlung sexistischer Frauenbilder in den Medien. Gesellschaftliche Macht- und Hierarchieverhältnisse spielen bei Gewalt gegen Frauen eine entscheidende Rolle. Gemäss aktuellen Studien gehen sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz in 90% der Fälle von Vorgesetzten aus. Je abhängiger die Frau von ihrer Stelle oder ihrem Ausbildungsplatz, je ungesicherter ihr Arbeitsverhältnis, desto mehr ist sie auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt.

In den letzten vierzig Jahren hat das Bewusstsein über Gewalt gegen Frauen in der Öffentlichkeit zugenommen. Häusliche Gewalt oder sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz sind keine Tabuthemen mehr und haben sogar den Weg in die Gesetzbücher gefunden. Aber die gesellschaftliche Debatte um Gewalt gegen Frauen wird unter einer individualisierenden Opfer-Täter-Perspektive aufgearbeitet. Das versperrt den Blick auf die strukturell angelegte Gewalt, auf die herrschenden kapitalistischen Machtverhältnisse und das ganze Spektrum der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen.

Die Sexismus-Debatte hat wenig Einfluss auf die Situation von Frauen mit wenig materiellen oder sozialen Ressourcen. Diese wären besonders angewiesen auf Institutionen wie Frauenhäuser, denen jedoch immer mehr Gelder gestrichen werden. Sichtbarkeit alleine bringt uns also nicht weiter. Vielmehr wollen wir an diesem Kampftag auf unsere eigene Stärke vertrauen. Wir wollen aufzeigen, dass es sich lohnt für Veränderungen und revolutionäre Prozesse zu kämpfen. Wir wollen Frauen sichtbar machen, die für die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen kämpfen und Widerstand leisten gegen Gewalt an Frauen. Hier und international. Wir sehen uns als Teil dieser Kämpfe um eine Gesellschaft ohne kapitalistische und patriarchale Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse.

Selbstverteidigung und Organisierung gegen alle Formen von Gewalt an Frauen! Für den Kommunismus!

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