Seit über 100 Jahren und weltweit kämpft die proletarische Frauenbewegung für die Zerschlagung patriarchaler Ausbeutung und Gewalt. Vieles konnte dadurch bereits errungen werden. Wir Frauen haben heute andere Möglichkeiten unser Leben zu gestalten und ein anderes Selbstbewusstsein als unsere Mütter und Grossmütter – zumindest in unseren Breitengraden. Gerade in der Bildung konnten viele Errungenschaften erkämpft werden. Auch in der Lebensgestaltung haben sich Türen geöffnet, wir sind bspw. nicht mehr gezwungen, die normierte Kleinfamilie zu gründen und hinter vier Wänden zu verschwinden oder wir haben die Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft zu unterbrechen, und vieles mehr.

Doch trotz vieler Errungenschaften und Gleichstellungsparagraphen liegt immer noch einiges im Argen. Die Liste ist lang an Diskriminierungen, Ausbeutung und Gewalt, die Frauen hier und weltweit zu erdulden haben. Deshalb sind auch die Listen der Forderungen lang und vielfältig, die in den verschiedenen Manifesten zum Frauenstreik zum Ausdruck kommen. Und in jenen, die sich in anderen Ländern rund um den Globus manifestieren, wo der Frauenstreik am 8. März durchgeführt wurde, dem alljährlichen internationalen Frauenkampftag.

Dass sich seit 1991, dem letzten Frauenstreik in der Schweiz, ausser kleinen Reformen grundsätzlich nichts verändert hat, liegt nicht einfach am bösen Willen der Männer (auch wenn es darunter tatsächlich einige böse gibt). Es liegt in einem System begründet, welches auf Profit und Mehrwerterzeugung, auf kontinuierliches Wachstum, auf Raubbau an Natur, Tier und Mensch ausgerichtet ist. Jeder Betrieb, der sich diesem, dem Kapitalismus inhärenten Gesetz entziehen will, ist dem Untergang geweiht. Kapitalismus heisst auf Gedeih und Verderb Expandieren, Produktion steigern, neue Märkte erobern, und wenn es keine neuen mehr gibt, durch Kriege wieder welche schaffen.

Und Kapitalismus ist mehr als nur Ökonomie. Er durchdringt sämtliche gesellschaftlichen und privaten Bereiche und wird von patriarchalen und rassistischen Strukturen getragen. Diese dienen einerseits dazu, Teile einer solchermasssen aufgeteilten Arbeiter_innenklasse vermehrt ausbeuten zu können, anderseits durch die erzeugte Spaltung unsere Kampfkraft zu brechen. Teile und herrsche heisst die Strategie und sie wirkt. Die rechten und rekationären Kräfte sind auf dem Vormarsch, um die offen klaffenden Widersprüche des Systems mit verschärfter Repression, mit Angriffen auf die Arbeiter_innen- und Frauenbewegungen in den Griff zu kriegen.

Patriarchaler Kapitalismus herrscht auch in unseren Köpfen durch die omnipräsente Ideologie der Herrschenden mittels Medien, Schulen, Universitäten, Wissenschaften, der bürgerlichen Kultur, Werbung, Politik, durch den Konkurrenz- und Leistungsdruck, dem wir ein Leben lang ausgesetzt sind und uns krank macht, und jene, die es nicht schaffen oder „anders“ sind, ausgrenzt.

Es ist also kein Zufall, wenn kämpfende Frauen Zusammenhänge herstellen und für ihre Unterdrückung den patriarchalen Kapitalismus verantwortlich machen. Der Frauenstreik hat das Potential, gesamtgesellschaftliche Fragen aufzuwerfen. Fragen, die unsere Arbeit in sämtlichen Bereichen betrifft, den wenig bezahlten, unsicheren sowie unbezahlten, abgewerteten, unsichtbaren und nichtsdestotrotz gesellschaftlich notwendigen Arbeiten. Jene Arbeiten, die genauso zum Fundament einer Gesellschaft gehören, weil dort Leben produziert wird. Es geht um Fragen, die auch unsere Beziehungen betreffen. Die Entfremdung, die der Kapitalismus zwischen den Menschen schafft, dringt bis in die privatesten Bereiche. Ja schafft Entfremdung auch zu sich selbst und den eigenen Interessen.

Auch die Ökologiefrage, das Ende der Ressourcen bis zur Unbewohnbarkeit der Erde, hängt eng mit der Frauenfrage zusammen. Denn patriarchaler Kapitalismus bedeutet die Vernachlässigung alles Lebendigen als Voraussetzung für kapitalistischen Profit. Gefeiert werden die grossen Helden, die ausbeuten, zerstören und Krieg führen, um erfolgreich Milliardengewinne anzuhäufen. Liebende Sorge hingegen, liegt in dieser Sichtweise in der Natur der Frau, muss nicht weiter beachtet oder wertgeschätzt werden wie die Natur selbst. Und selbst jene in der Lohnarbeit kleinen machtlosen Gestalten können, sofern sie männlich sind, zuhause wie im Feudalismus agieren und über die Arbeitskraft und den Körper der Frau verfügen.

Wenn wir von Geschlecht reden, so stellen wir vor allem Fragen nach den Verhältnissen, in denen Geschlechter konstruiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Wir reden deshalb von Geschlechterverhältnissen, die insbesondere durch die geschlechtssppezifische Arbeitsteilung geprägt sind. Geschlechterverhältnisse sind also auch Produktionsverhältnisse und umgekehrt. Es gibt also zwei Produktionen, denen des Lebens selbst, des eigenen und des der Kinder zum einen und der der Lebensmittel zum anderen, wobei letztere mit Profit organisiert werden und die dominante Stellung einnimmt. Unser Ziel ist es, die fürsorgenden Arbeiten im Haus nicht bloss einem Geschlecht zur Verantwortung zu überweisen, sondern sie stattdessen von allen Mitgliedern der Gesellschaft wahrnehmen zu lassen und einen grösst möglichen Teil zu vergesellschaften, d.h. kollektiv zu organisieren – im Quartier, im Dorf, im Betrieb, wo auch immer. Aber solche Veränderung der Arbeitsteilung braucht die Veränderung von Ökonomie und Politik insgesamt sowie die Veränderung der beteiligten Personen. Die Zuständigkeit aller für alle Lebensreproduktion ist im Sinne einer Bereicherung zu verstehen, die allen Geschlechtern zukommen soll, auch den Männern.

Durch all dies wird klar, dass wir Frauen uns nicht mit der Hälfte eines durch und durch faulen Systems zufrieden geben. Es gehört definitiv abgeschafft, bevor der letzte Fisch erstickt ist. Wir sind nicht bereit, Verhältnisse zu ertragen, die uns zu einem „geknechteten, erniedrigten Wesen“ (Marx) degradieren.

Auch klar ist, dass die Herrschenden ihre Privilegien nicht freiwillig abgeben. Sie müssen dazu gezwungen werden. Wir Frauen sind nicht einfach Opfer, sondern ebenfalls Subjekte des Denkens und Handelns. Unterwerfung ist für uns keine Option (auch wenn ebenso Frauen ihre eigene Unterwerfung reproduzieren). Deshalb kämpfen wir – und dafür steht der 14. Juni. Veränderung der Umstände heisst für uns auch Selbstveränderung. Darum organisieren wir uns, um miteinander zu diskutieren, unsere Interessen zu entdecken und uns für uns selbst einzusetzen und in Solidarität mit den weltweiten Frauen- und Klassenkämpfen. Es bedeutet politische Selbst-Bildung, in der wir unser Bewusstsein schulen, uns überzeugen von der Richtigkeit unseres Wollens und Fühlens, wirklich Subjekte werden unseres Denkens und Handelns, uns politisieren und kollektive Kampfkraft aneignen. Denn ohne langanhaltende aufbauende Kämpfe ist das herrschende System nicht zu besiegen.

Die Motivation dafür nehmen wir aus der Vorstellung einer schönen Perspektive. Wir wollen keine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, die zur dauernden Überforderung führt. Wir wollen eine sinnvolle, verkürzte Lohnarbeit für alle – und die Produktivkräfte sind heute so hoch, dass dies möglich ist. Wir wollen unsere schöpferischen Möglichkeiten ausschöpfen und all unsere Fähigkeiten entwickeln, Klavierspielen, Tanzen, Dichten, Theater spielen, Wissenschaften und Handwerke erlernen und vor allem uns in die Politik einmischen, damit es so kommt, wie wir es richtig finden. Wir wollen den Staat von unten nach oben umkrempeln und selbst in die Hand nehmen. Wir wollen viel freie Zeit um ohne Stress füreinander zu sorgen. Kurz und gut, wir wollen alles für alle. Frauenbefreiung schliesst Männerbefreiung mit ein, macht Schluss mit unsinnigen Geschlechterrollen und meint schlussendlich die Befreiung des Menschen.

Verbinden wir die Frauenkämpfe mit den proletarischen Klassenkämpfen um an den Ort zu gelangen, an dem endlich die Entwicklung jedes einzelnen zur Voraussetzung für die Entwicklung aller werden kann und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein Ende hat.

Für eine Gesellschaft ohne Klassen und ohne patriarchalen und rassistischen Strukturen!

Für den Kommunismus!

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