100 Jahre Zimmerwald-Konferenz 1915-2015: Oder was damals mit heute zu tun hat

Vom 5. bis 8. September 1915 trafen sich im kleinen bernischen Zimmerwald Vertreter der verschiedensten sozialdemokratischen Parteien und Organisationen Europas, um über Krieg und Frieden zu beraten. Aus diesem Grund haben wir – Kommunistinnen und Kommunisten des Revolutionären Aufbaus Schweiz – uns mit Zimmerwald auseinandergesetzt. Die letzten beiden Tage (2. und 3. Oktober) organisierten wir ein Politwochenende in Zürich und diskutierten mit internationalen Gästen. Nun, am dritten Tag, wollen wir den Ort besuchen, an dem die Konferenz stattgefunden hat. Dies alles geschieht nicht aufgrund historischer Romantik. Wir glauben, dass die Bedingungen und Prozesse von damals verstanden werden müssen, um das aktuelle Geschehen zu verstehen und in real stattfindenden Kämpfen eingreifen zu können. Viele derer, die an den Schaltstellen der Macht sitzen, predigen, dass damals nichts mehr mit heute zu tun hat. Doch ist dem wirklich so?

1915: Der Erste Weltkrieg wütete schon über ein Jahr. Millionen von Arbeitern standen sich in den Schützengräben gegenüber und metzelten sich – um der Aufteilung der Welt willens – gegenseitig nieder. Die sozialdemokratischen Parteien, welche über Jahre den Frieden beschworen und den Krieg verteufelt hatten, stimmten in die Kriegsgesänge ein, bewilligten in den Parlamenten Kriegskredite und lieferten ihre soziale Basis ans Messer.

Weder ist die Welt einfach in den Krieg hineingerutscht, noch war er Ausdruck der Bündnissituation in Europa. Der Krieg war vielmehr Produkt der kapitalistischen Wirtschaft, welche nur noch auf Kosten anderer Völker wachsen konnte.

Daher trafen sich im September Vertreter verschiedener sozialdemokratischer Parteien in Zimmerwald, um über die aktuelle Lage zu diskutieren. Dabei standen sich zwei Positionen gegenüber. Robert Grimm, Berner Sozialdemokrat, wollte die Konferenz nutzen, um lediglich Aktionen gegen den Krieg international zu koordinieren. Der russische Revolutionär Lenin sah jedoch die Möglichkeit den Krieg umzudrehen und den imperialistischen Krieg in einen revolutionären Bürgerkrieg umzuwandeln. Obwohl damals Lenins Position in der Minderheit war und seine Gruppe aus einer Position der Schwäche heraus handelte, gelang zwei Jahre danach die Oktoberrevolution 1917 in Russland, es kam zu proletarischen Aufständen in Deutschland und Ungarn sowie zur Gründung etlicher kommunistischer Parteien in Europa. Zimmerwald war zum Kern der sozialistischen Gesellschaft geworden.

2015: Die Welt ist von Kriegen geprägt. Der Bürgerkrieg in der Ukraine, in dem neofaschistische Gruppen einen grossen Einfluss haben, der Bürgerkrieg in Syrien oder die Angriffe des reaktionären Islamischen Staates auf selbstverwaltete kurdische Gebiete in der Region Rojava. Millionen von Menschen habe sich aufgemacht, riskieren ihr und die Leben ihrer Kinder, um diesen imperialistischen Aggressionen zu entfliehen. All diese Kriege sind der ökonomischen Krise und der profitgetriebenen Politik der sogenannt westlichen Länder, dem Imperialismus geschuldet. Die Krise hat sich in den politischen und kulturellen Bereich ausgedehnt und erzeugt eine gesellschaftliche Perspektivlosigkeit, die über rein wirtschaftliche Fragen hinausgeht.

Auch das Bild und die Rolle der Sozialdemokratie bleibt hundert Jahre später gleich: Die von vielen als „links“ eingestufte Syriza hat soeben das zweite Mal die Wahlen in Griechenland für sich entschieden. Als die Partei das erste Mal die Wahlen gewonnen hatte, ist sie mit dem Versprechen angetreten, keine weiteren Sparmassnahmen durchzuführen und die Interessen des Proletariats zu verteidigen. Doch nur kurze Zeit später, hat sie sich der Troika (EU, EZB, IWF) ergeben und ist nun bereit das griechische Volk weiter zu schröpfen. Dieses Beispiel zeigt, dass die Sozialdemokratie nach wie vor lieber „teilt und herrscht“, als mit der dazugehörigen Konsequenz politische Ziele zu verfolgen. Andererseits lassen sich darin auch die engen Grenzen der bürgerlichen Demokratie erkennen.

Auch uns ist klar, dass sich die Welt und mit ihr die Gesellschaften verändert hat. Doch gewisse Charakteristika, welche aus den Produktionsbedingungen herkommen, bleiben bestehen. Krieg gehört zum Kapitalismus wie die Motte zum Licht. Der Kapitalismus kann seine Probleme nur lösen, indem er gesellschaftlichen Reichtum vernichtet, entweder durch ökonomische Krisen oder mittels Krieg. Wer glaubt heute noch ernsthaft, dass die Sozialdemokraten die Interessen der arbeitenden Menschen vertreten? Diese haben sich schon vor 100 Jahren an die Manager und Bosse der grossen Unternehmen verkauft.

Der Revolutionäre Aufbau ist eine kommunistische Organisation. Wir stehen parteiisch auf der Seite derjenigen, die nichts oder nur wenig haben und solidarisieren uns mit progressiven Kämpfen in der ganzen Welt. Wir sind antifaschistisch und wehren uns konsequent gegen imperialistische Kriege, gegen Lohn- und Sozialabbau, Fremden, religiösen Fanatismus, Sexismus sowie Homophobie. Nur wenn wir es schaffen unsere eigene Seite zu stärken und die verschiedenen fortschrittlichen Kämpfe in der Welt zusammenzuführen, uns gegenseitig unterstützen, wird es möglich sein, eine reale gesellschaftliche Perspektive fassbar zu machen. Nur dann wird es möglich sein, eine Welt aufzubauen, in der Hunger, Armut, Krise und Krieg auf dem Schrotthaufen der Geschichte landen.

Damals wie heute: Hoch die internationale Solidarität!

Damals wie heute: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Damals wie heute: Krieg dem Krieg!

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