Thüringen - Der Dammbruch

Geschichte wiederholt sich nicht nicht: Ein paar Takte zu Thüringen

Wer untot ist, ist noch nicht tot. Aber er lebt auch nicht mehr, und wer nicht lebt, tut besser daran, gleich ganz weg zu sein. Wenn er dann auch nichts ausrichtet, es entsteht zumindest Platz für Befugteres. Die Linke hatte den Zustand ihrer Untöte erreicht, seit sie begann, sich die Sorgen der Mitte zu machen. Ich will sie gar nicht tot, ich will sie wieder lebend. Wie reanimiert man einen Zombie?

Als die FDP Thüringen sich nach stolzen 5,0 Prozent im Landtag von der AfD in die Regierung wählen ließ, wurde es lebendig. Dass Sozialdemokraten und Grüne sowie diejenigen Konservativen und Liberalen, die dagegen waren, von einem »Dammbruch« sprachen, ist eitel und selbstgerecht. Dass Linke den Ausdruck sogleich übernahmen, dagegen kaum weniger als Todessehnsucht. Wenn man das Bild vom brechenden Damm mit dem Verstand anlangt, ruft es zwei Ideen hervor. Ein Damm schützt vor steigendem Wasser, indem er keine Lücke hat. Da breche also eine durchgehende, geschlossene Formation, die gegen etwas anderes, Feindliches bestehen muss.

Das eine passt hier so wenig wie das andere. Weder gehört die Linke genuin in eine Einheit mit bürgerlichen Parteien, noch ist der Faschismus ein fremdes Element, das von außen kommt. Dass Linke, statt sich als Bolschewisten oder wenigstens revolutionär zu begreifen, ihre eigene Integration betreiben, korrespondiert dem Umstand, dass die Rechten vor ein paar Jahrzehnten gelernt haben, sich als exzentrisch zu inszenieren. Sie schreien an gegen die Eliten, worunter sie nicht das Kapital, sondern den etablierten Politikzirkus verstehen. Sie tragen den eigenen elitären Anspruch in der Pose des Underdogs vor. Während die Linken alles tun zu verschleiern, dass sie nicht dazu gehören, verschleiern die Rechten wirkungsvoll, dass sie dazugehören. Der eigentliche Dammbruch passiert, wo Linke im Angesicht einer drohenden Koalition aus Mitte und Faschisten von einem Dammbruch reden.

Der Faschismus ist nicht das ganz andere. Jeder weiß das, alle wollen es vergessen. Er entsteht als Abfallprodukt des kapitalistischen Gesamtprozesses, der neben Waren immer auch Verlierer auswirft. Die Angst vorm Verlieren und der Frust, verloren zu haben, sind die psychologische Grundlage jener Scheinrevolte, jener tatsächlich letzten Kampfform der bürgerlichen Gesellschaft gegen die drohende Vergesellschaftung. Demographisch und politisch war die bürgerliche Mitte das ursprüngliche und beständigste Milieu der faschistischen Bewegung, die sich gegen die »jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung« als Aufstand der Anständigen gerierte. Jenes Milieu ist auch die stärkste Quelle der heutigen Faschisten. Geschichte wiederholt sich nicht nicht.

Thüringen turnt vor. Die nicht-völkische Rechte und die völkische Rechte wollten zusammengehen. Die Freien Demokraten sind die Erben des Nazis Hugenberg, Höcke stapft in den Stiefeln des Nazis Rosenberg, und es ist noch nicht lange her, dass sich im linken Tiegel einiges sammelte, das aufzustehen und den Strasser zu machen allzu bereit war. Die Linke zerlegt sich heute in einen Teil, der den Populismus gegen die Zuwanderung nicht der AfD überlassen will, und einen, der sich aus Angst vor der AfD der bürgerlichen Mitte unterwirft. Was immer letzterer ist, das kleinere Übel ist er nicht. – Vermögenssteuer statt Enteignung, sozialer Ausgleich statt Systemfrage, miteinander gestalten statt Klassenkampf. Bodo Ramelow steht auf dem Boden der Verfassung und arbeitet für den Erhalt des Kapitalismus. Man kann ihn als Landesvater bezeichnen, und diese Beleidigung tut ihm nicht einmal Unrecht. Die Linke, die er führt, sucht Anschluss, wo sie Ansprüche, und Halt, wo sie Inhalte haben sollte.

In der Außenpolitik wiederholt sich die Posse. Die AfD artikuliert in Deutschland dieselbe Angst vor der Auflösung des reinen Volkskörpers (von dem man sich soziale und kulturelle Sicherheit erhofft) wie in Großbritannien die »Brexit«-Bewegung. Ein großer Teil der Linken scheint nicht in der Lage, darauf anders zu reagieren als mit Verteidigung der Europäischen Union. Man hält die protektionistische Beutegemeinschaft imperialistischer Euro-Staaten für ein Gut, bloß weil der herkömmliche Nationalismus ein Problem mit dem europäischen Supranationalismus hat. Man blickt hinweg über die ökonomische Gewalt der EU gegen kleinere Staaten (ob Mitglied oder Nicht-Mitglied), über die sozialen Opfer der unvermeidlich wiederkehrenden Krisen dieses Bundes (bedingt durch den Widerspruch zwischen einheitlicher Währung und separaten Haushalten), und über die Kriege, die die EU zur Etablierung oder Ausweitung ihrer Macht forciert hat (Jugoslawien, Kosovo, Ukraine).

Nicht in der Mitte zu sein, macht diesen Linken Angst. Daher üben sie sich in unerzwungener Bescheidenheit, Sichzufriedengeben mit Klein- und Kleinsterfolgen, sind bereit zur kompletten Unterwerfung, Utopien aufzugeben, Fragen der Organisation zu meiden, wollen nur dabei sein, mitlaufen, irgendwie noch vorkommen.

Es scheint folgerichtig, dass eine derart verwahrloste Linke dann auch beim Kampf gegen den erstarkenden Faschismus zu nichts anderem in der Lage ist. Die bürgerliche Mitte aber macht nicht nur dessen kräftigste Quelle aus, sie war es, die ihn 1933 ermöglicht hat, und sie wird ihn im gegebenen Fall wieder ermöglichen. Der Schoß ist fruchtbar noch, in den das kroch. Der Faschismus erobert die bürgerliche Mitte nicht, er kehrt in sie zurück.

Es sind nicht die Nazis, die Sorgen bereiten. Die Gefahr von rechts ist real, aber sie war immer da. Das viel größere Problem bedeutet eine Linke, die – als im Zweifel einzige Kraft, die Widerstand wird leisten können oder wollen – verlernt hat, allein zu stehen, verlernt hat mithin, kommunistische Ideen ohne Scham auszusprechen. Das wäre der Damm, den sie tatsächlich zu schützen hätte. Und vielleicht sollte sie ihn erst einmal bauen.

Felix Bartels / Junge Welt vom 08. Februar 2020

ZH: Communiqué zur Demonstration vom 22.1.20

kopiert von: https://brrkd.info/article/3115

Smash WEF! Krieg beginnt hier

Über 500 Personen haben sich heute im Rahmen der Demonstration «Züri gäge WEF» dem revolutionären Block angeschlossen. Unser Widerstand gegen das WEF lässt sich nicht zähmen, nur radikaler und militanter Widerstand hat ein Chance gegen das Gruselkabinett in Davos.

Heute hat sich der Widerstand nicht an die bewilligte Route gehalten und die sozialdemokratischen Zähmungsversuche ins Leere laufen lassen. Bei der Credit Suisse am Stauffacher wurde symbolisch ein türkischer Panzer verbrannt. Gleichzeitig wurde die Bank angegriffen. Ein weiteres mal versuchte die Polizei, mit Gewalt die Fassade eines WEF-Mitglieds zu schützen. Dieser Versuch blieb durch starken Widerstand erfolglos.

Die Stadtpolizei und Rykart zeigen angesichts von Krieg, Vertreibung und ökologischer Katastrophe einmal mehr auf welcher Seite sie stehen. Beim Polizeihauptposten an der Sihlpost erhielten sie die Antwort auf diese Politik. Die Wut der ganzen Demonstration richtete sich gegen sie und ihren alten Wasserwerfer. Auf der ganzen Strecke war die Stimmung laut und kämpferisch. Auf die Einschüchterungsversuche der Stadtregierung wird immer eine Antwort folgen – das heute war nicht die Letzte.

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Im Gegensatz zur heuchlerischen parlamentarischen Politik sagen wir, dass das WEF nie eine Verbesserung der Zustände erreichen wird. Während Sommaruga und andere in Davos Hände schütteln und am Podium stehen, geht der Kampf auf der Strasse weiter. Während Krieg in Rojava geschürt wird, und die Klimakrise weiter angeheizt wird, solidarisieren wir uns mit den weltweit stattfindenden sozialen Kämpfen, zum Beispiel mit dem Widerstand in Rojava, Chile, Sudan und in Frankreich.

Diese erfolgreiche Demonstration war ein Beweis, dass der Unmut gegen das WEF von ganz verschiedenen Kräften und Formen getragen wird.

Smash WEF! #Riseup4Rojava

ZH: Sabotage-Aktion gegen Nestlé

kopiert von: https://brrkd.info/article/3110

Am heutigen zweiten Tag des WEFs werden in der Region Zürich keine Nestlé-Kühl-Produkte ausgeliefert werden.

Gestern Nacht haben wir nämlich im grossen regionalen Logistikzentrum in Bülach die dort parkierten Kühl-LKWs effektiv sabotiert. Damit haben wir einem der global mächtigsten Konzerne und strategischem WEF-Partner einen mehr als symbolischen Nadelstich verpasst. Wenn es dadurch gar zu Lieferengpässen für den einen oder anderen Davoser Bonzen-Apéro (welche Nestlé stellen wird) kommen sollte, freuen wir uns umso mehr.

Gründe Nestlé anzugreifen und ihre Lieferkette zu sabotieren gibt es zu Hauf. Kinderarbeit in Mali, Urwaldabholzung in Indonesien, Wasserprivatisierungen überall im globalen Süden, Produktionsstandorte in der faschistischen Türkei, Zusammenarbeit mit Paramilitärs in Zentralamerika, etcetc: Es wäre ein leichtes gewesen jeden heute sabotierten LKW einem anderen Verbrechen des Schweizer Vorzeige-Parasiten zu widmen. Stattdessen fokussieren wir uns mit unserer heutigen Aktion auf das Dreier-Gespann WEF-Nestle-Chile.

Chile und Nestlé gehören in mehrfacher Hinsicht zusammen. Da ist zunächst das Bild, wie es sich heute in Chile präsentiert. Es ist dasselbe Bild, dass sich fast überall im globalen Süden präsentiert: Dass Nestlé den Flaschen-Wassermarkt dominiert, dass Nestlé mehrere grosse Produktionsstandorte besitzt (im Falle Chile mindestens deren acht), wo es von gewerkschaftsfeindlichen Sondergesetzen profitiert, dass Nestlé seine Rohstoffe zu Dumpingpreisen von besonders ausbeuterischen und umweltschädlichen Plantagen bezieht etc.

Ein aussagekräftigeres Bild ergibt sich unter Hinzunahme der historischen Dimension: Chile stand genauso wie Nestlé und das WEF an vorderster Front der neoliberalen Umgestaltung des globalen Kapitalismus ab Ende der 70er. Das verbindet. Nicht zufällig begann der Nestlé-Überboss der letzten zwei Jahrzehnte Peter Brabeck Lemanthe (der überdies Vize-Präsident des WEF-Verwaltungsrates ist) seine Karriere 1970 in Chile. Unter Federführung des US-Imperialismus putschte 1973 Pinochet den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende weg. Die folgende durch blutige Diktatur abgesicherte Privatisierung von Volkseigentum und Schleifung von Arbeitsrechten, diente als Versuchsfeld neoliberaler Strategen wie der Chicago-Boys und wurde zur Blaupause für den Angriff auf Aber-Millionen Werktätige weltweit.

Brabeck arrangierte sich nicht nur hervorragend mit der Militärdiktatur (er blieb bis 1980 dort und stieg stetig auf), er schien aus der engen Zusammenarbeit von Militär und Wirtschaft auch wichtige persönliche Schlüsse gezogen zu haben. Die Geschäftspraktiken von Nestlé können in vielen Aspekten als eine direkte Fortsetzung dieser für die Ausbeuter so fruchtbaren Perfektionierung von Militär und Kapital gesehen werden.

Da ist zunächst Nestlé’s offensives direktes Nutzen militärischer Aufstandsbekämpfungs-Kapazitäten: Gegen die weltweite Kampagne gegen Nestlés Baby-Ersatznahrungs-Vermarktung engagierte Nestlé den US-Army Berater Raphael Pagan. Dieser diente bereits als Berater und Geheimdienstoffizier für Reagan’s blutige Contra-Strategie in Lateinamerika (amgefangen bei eben jenem Pinochet-Putsch bis zum Contra-Terror gegen die Sandisistische Revolution in Nicaragua). Unter Pagan’s Führung schaffte es Nestlé die Boycott-Kampagne entscheidend zu schwächen indem es mit geheimdienstlichen Methoden gelang die Kampagne in ihre antikapitalistischen und ihre humanitär-kirchlichen, in ihre europäische und ihre lateinamerikanische Teile zu spalten. Die direkte militärisch-industrielle Zusammenarbeit wurde in der Person von John Hedley, einem ehemaligen MI6-Agenten fortgesetzt, der bekannt wurde durch seine aufgeflogene Spionagetätigkeit gegen das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC angang der 2000er Jahre. Schliesslich ist (neben etwa der Spionage-Auftragsvergabe an Securitas oder den Kolumbianischen Geheimdienst) die direkte Partnerschaft von Nestlé mit dem NATO-Thinktank Atlantic Council zu nennen, die sich speziell mit den gemeinsamen Interessen von NATO und Nestlé gegenüber den linken Regierungen der 00er Jahre in Lateinamerika auseinandersetzte.

In der aus diesen und anderen Kollaborationen entwickelten generalstabsmässigen Planung von Nestlés PR-Kampagnen bzw Gegenkampagnen greifen viele Elemente wie Zahnräder ineinander und die Grenzen zwischen Werbung, Lobbyismus, Infiltration und anderen Kriegsmethoden verschmelzen ineinander. Es ist klar, dass auch Nestlés starkes Engegement am WEF in dieses Arsenal gehört. Kaum eine Organisation ist so geübt und unverfroren wenn es darum geht im Interesse der Herrschenden Ausbeutung als Wohlfahrt auszugeben, Privatisierungen als Modernisierung zu bewerben oder faschistische Konter-Guerillas als Demokratiehüter zu inszenieren.

Aber die Hegemonie der Davoser Bonzen wackelt, da können sie - in ihren Luxushotels abgeschirmt durch tausende Bullen - noch so sehr versuchen sich ihre Perspektiven schön zu reden. Chile, eben jenes Land, das dem WEF über Jahrzehnte als Musterschüler ungefährdeter privater Aneignung von kollektivem Reichtum galt, steuert seit Monaten auf eine revolutionäre Situation zu. Ungeachtet der immensen Repression haben die Menschen dort die Strassen und Plätze erkämpft. Ihr Aufstand - der neben militanten Massenmobilisierungen und Sabotageaktionen auch die Bildung lokaler Rätestrukturen beinhaltet - richtet sich längst nicht mehr nur gegen die Auswüchse einer kleptomanischen Elite, sondern gegen das Leben im Kapitalismus an sich.

Und sie sind damit nicht allein: Überall auf der Welt gibt es Bewegungen, die sich - meist in direkter Konfrontation mit dem Repressionsapparat - momentan ein neues Selbstbewusstsein erkämpfen. Das Selbstbewusstsein, dass wir viele sind, und dass wir stark sind. In diesen Kämpfen, egal in welcher Form sie sich äussern, leuchtet eine Botschaft klar und unmissverständlich für Freund und Feind: Dass die Zukunft nicht den Herrschenden gehört sondern uns!

Hoch lebe die internationale Solidarität!
El pueblo unido jamas sara vencido!
SMASH WEF!

WEF: Feuer bei Philipp Hildebrand

kopiert von: https://brrkd.info/article/3106

Zur Eröffnung des World Economic Forum in Davos sind wir zum Wohnsitz von Philipp Hildebrand (Goldhaldenstrasse 46, Zollikon) und haben Feuer an seiner Gartenhecke gelegt. Wir greifen Hildebrand aus zweierlei hauptsächlichen Gründen auf: Erstens ist er ein hochrangiges Mitglied der Führung von Blackrock, dem weltgrössten privaten Vermögensverwalter und langjährigen strategischen Partner des WEF. Blackrock verwaltet mehr als 6 Billionen US-Dollar - das sind 6 Tausend Milliarden oder 6 Millionen Millionen US-Dollar, welche Blackrock profitträchtig zu investieren sucht. Zweitens ist Hildebrand ein Beispiel für die enge Verflechtung zwischen Politik und Kapital, die den Kapitalismus kennzeichnet und als eine Art Schmiermittel die Rädchen des Profits schneller drehen lässt.

Beginnen wir mit Hildebrand, der im Gegensatz zu den Figuren, welche in den kommenden Tagen die Schlagzeilen über das WEF beherrschen werden, wohl eher ein Schattendasein fristet und fristen wird. Seine Geschichte ist aber beispielhaft für die personelle Verzahnung von Politik und Kapital und die Bedeutung seiner Person ist nicht zu unterschätzen. Deshalb zerren wir ihn mit unserer Aktion ans Licht! Seine Karriere lancierte er ursprünglich vor 25 Jahren beim Hauptsitz des World Economic Forum in Genf. Danach kletterte er über verschiedene Grossbanken die Karriereleiter empor, bis er schliesslich zum Präsidenten der Schweizer Nationalbank erkoren wurde. Ein zwischenzeitlicher Höhenpunkt, der ein unrühmliches Ende nahm, seiner Karriere insgesamt allerdings keinen bleibenden Schaden zufügte. Sein Abgang bei der Nationalbank wird vielen noch präsent sein. Als die Nationalbank zur Überraschung der allermeistmeisten BeobachterInnen den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro aufkündigte, hatte Hildebrand’s Ehefrau mittels Währungstransaktionen einen Gewinn von einigen zehntausend Franken als Folge dieser Aufkündigung erzielt. Niemand mag ihnen glauben, dass dieser Profit nicht durch das Vorwissen des Mannes, der der Nationalbank vorstand und die Auflösung des Mindestkurs bekanntgab, ermöglicht wurde. Diese grosskriminelle Episode in Hildebrand’s Karriere ist kein Problem für Blackrock, im Gegenteil. Sie binden gezielt Figuren wie Hildebrand an sich, welche prominente Kontakte und Einflussmöglichkeiten in Politik und Kapital versprechen. In Deutschland ist etwa Friedrich Merz (zwischenzeitlich im Gespräch als Nachfolger von Merkel an der Spitze der CDU) im Aufsichtsrat von Blackrock tätig, in Grossbritannien sicherten sie sich die Dienste von George Osborne, welcher zuvor Teil der Regierung von David Cameron war. Politik und Kapital, Hand in Hand in gemeinsamer Mission.

Kehren wir zurück zu Blackrock und versuchen wir, Licht in ihr Wirken zu bringen. Mit dem kaum vorstellbaren Volumen von Vermögen, welches Blackrock verwaltet, ist dieses Unternehmen immer an der vordersten Spitze mit dabei, wenn das Kapital neue Profitmöglichkeiten sucht und schafft. Es ist einer der zentralen imperialistischen Player, repräsentiert gewaltige Summen Finanzkapital verbunden mit massiven Einflussmöglichkeiten in der Industrie. Der Einfluss dieses Unternehmens mag nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sein, weil es nicht immer unmittelbar erkennbar eigenständig agiert, sondern oftmals vermittelt durch Investitionen in tausende andere Unternehmen. Es ist aber gerade durch die enge Verzahnung zwischen Blackrock und den Konzernen, in die sie investieren, und den entsprechenden gegenseitigen Abhängigkeiten, die so geschaffen werden, worüber Blackrock wirkt. Es ist in sehr, sehr vielen Fällen so, dass Blackrock mitprofitiert, wenn irgendwo ein Quäntchen mehr Mehrwert herausgepresst wird oder Extraprofit erbeutet werden kann, und zugleich hat Blackrock selbstredend jeweils ein eigenständiges Interesse daran, bessere Ausbeutungsbedingungen zu schaffen, unter welchen die Konzerne, in die Blackrock investiert hat, dann mehr Profit machen können. Ein wechselseitiges Tandem von gemeinsamen und eigenständigen Interessen auf der Suche nach Profit.

Trotz dieser vermeintlichen Komplexität, mit der Blackrock wirkt, wird immer wieder dann ein Schlaglicht auf sie geworfen, wenn ihre Machenschaften zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung werden wie etwa in der Rüstungsindustrie oder in der Ausbeutung der Natur. Alleine unter der Sparte "Aerospace and Defense" eines ihrer vielen Fonds hält Blackrock offen deklarierte Investitionen von fast 6 Milliarden Dollar in der Rüstungsindustrie. Viele weitere Investitionen, die angesichts der Summe des insgesamt verwalteten Vermögens beträchtlich höher liegen dürften, bleiben im Dickicht der Finanzinstrumente neugierigen Augen verborgen. Ihre Investionen in diesem Bereich sind stark konzentriert in Firmen der US-Rüstungsindustrie wie Boeing, Lockheed Martin, Northrop Grumman oder Raytheon. Jedes Mal, wenn in den USA die Kriegstrommeln geschlagen werden, steigen die Aktienkurse dieser Firmen an. Gerade jüngst etwa, als Trump den iranischen General Soleimani mittels Drohnenanschlag völkerrechtswidrig ermorden liess und sich zwischenzeitlich eine weitere kriegerische Eskalation im Mittleren Osten abzeichnete. Krieg ist für diese Unternehmen - und damit auch für Blackrock - nicht nur Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern lukratives Geschäft. Die Kassen klingeln in den Hochglanzbüros, wenn anderorts Menschen für die Interessen und Profite der Herrschenden mit ihren hochtechnologisierten Waffen massakriert werden.

Es verhält sich mit der Natur ganz ähnlich. Die apokalyptischen Bilder aus dem Amazonas oder Australien schärfen das Bewusstsein dafür, dass Kapitalismus Ausbeutung der Natur bis zum Maximum - das heisst Zerstörung - heisst. Moralische Appelle nützen wenig, denn die zerstörerische Tendenz des Kapitalismus ist nicht unglückliches Nebenprodukt, sondern hauptsächliche Funktionslogik dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Selbstredend ist Blackrock in diesem profitträchtigen Business mit an Bord. Rund 87 Milliarden Dollar sind im Bereich der Energiegewinnung via Erdöl, Kohle oder Gas investiert, egal ob Exxon Mobil, Chevron, Total oder Shell, Blackrock ist mit dabei. Gerade erst haben sie verkündet, aus Firmen auszusteigen, deren Gewinn zu mehr als 25% durch Kohlenabbau erwirtschaftet wird. Sie tun so, als sei das ein Commitment zu einer grünen Zukunft - nichts dergleichen, viel gewichtiger dürfte sein, dass es gerade solche Firmen sind, die in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich Verluste gemacht haben und perspektivisch kaum wieder auf einen profitablen Weg kommen werden. Stattdessen will Blackrock nun mehr in die nachhaltige Green Economy investieren. Sie tun so, als folgten sie einem umweltbewussten Gewissen, dabei ist’s nur der erhoffte Profit, den sie in diesem Bereich vermuten und dem sie nachrennen.

Wir wollen diesem Treiben nicht stumm zuschauen, sondern den Möglichkeiten entsprechend intervenieren. Gerade jetzt, in einer Zeit der weltweiten Aufstände, die sich oftmals gegen eine neoliberale Politik des "puren Kapitalismus" richten, für welches Blackrock und Hildebrand so exemplarisch stehen. Während sich in Davos die Mächtigen treffen und in intensiver Hinterzimmerdiplomatie ihrer gemeinsamen Interessen bewusst Pläne schmieden, die sich unweigerlich gegen die unteren Klassen richten werden (denn wären wir nicht arm, wären sie nicht reich), zeigt sich global die Perspektivlosigkeit dieses Systems und dieser Politik in wirtschaftlichem Elend, Krieg und Naturkatastrophen. Die Kämpfe gegen diese Barbarei sind unser aller Hoffnung, dass es keinesfalls so bleiben muss, wie es ist, sondern die Bedingungen veränderbar sind. Die Möglichkeit dieser Notwendigkeit zeigt sich etwa in Rojava, wo über Jahre ein revolutionärer Prozess vorangetrieben wurde, der heute zur Folge hat, dass Rojava als eigenständiger Machtfaktor in der Region handeln kann (dass dies trotz und während Angriffen von allen Seiten - an der vordersten Front der Türkei - gelungen ist, macht diese Realität umso beeindruckender). In diesem Sinne glauben wir ihrer Propaganda der Alternativlosigkeit zum Kapitalismus kein Wort, organisieren uns und kämpfen gemeinsam für ein besseres Morgen.

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