Kommentar aus aufbau 94:

Der Landesstreik von 1918 war der schweizerische Ausdruck eines europaweiten, revolutionären Kampfzyklus. Er war unbestritten ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der schweizerischen ArbeiterInnenbewegung und der revolutionären Linken. Hundert Jahre später streiten sich rechte und linke HistorikerInnen über die Bedeutung des Landesstreikes. Die einen feiern die Niederschlagung des Landes- streik als Sieg über den «Bolschewismus». Andere wollen die Geschichte im besten Falle reformistisch definieren. Einig sind sie sich, dass höchstens einige isolierte Spinner eine revolutionäre Umwälzung anstrebten. Ähnliches ist in diesen Tagen in Kiel zu beobachten: Dort werden die aufständischen Matrosen von 1918 als Vorkämpfer der bürgerlichen Demokratie gefeiert. Diese würden sich mit Sicherheit im Grabe umdrehen. Die herrschende Geschichtsschreibung ist eben immer die Geschichtsschreibung der Herrschenden.

Auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung wird der Landesstreik und seine Bedeutung debattiert. Man hört, dass die Geschichte des Landesstreiks eine Erfolgsgeschichte oder gar ein flammendes Beispiel dafür sei, dass sich die Gewerkschaftsbewegung durch den Kampf viele Errungenschaften hätte sichern können. Der Landes- streik wird zur Gründungsgeschichte oder mindestens zur ersten grossen Kraftprobe der Gewerkschaftsbewegung stilisiert. Diese Sichtweise ist schönfärberisch. Der Landesstreik hat trotz einer langen Liste an Forderungen «bloss» das Proporzwahlrecht sowie die 48-Stunden-Woche beschert. Der Streik wurde von einer reformistischen und zaghaften Streikführung abgebrochen und dies bevor auch nur eine einzige Forderung erfüllt war.

Uns interessiert die Geschichte der ArbeiterInnenbewegung aus einem proletarischen und revolutionären Klassenstandpunkt. Dies mit dem Ziel, dass wir für unsere heutige konkrete Praxis die richtigen Lehren ziehen. Dazu gehört, in einer konkreten historischen Situation die eigenen Kräfte und jene der anderen Seite richtig einzuschätzen, taktische und strategische Bündnisse in gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen abzuwägen und keine Schönfärberei zu betreiben. Der Landesstreik lehrt unter anderem, dass die Schweiz heute nicht naturgegeben streikarm ist, sondern dass konkrete Entwicklungen dafür gesorgt ha- ben, dass die Streiktradition ein Ende nahm: Eine Politik der reformistischen Zugeständnisse und des erzwungenen Arbeitsfriedens einerseits und eine erstarkte Reaktion auf der anderen Seite.

Dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die klassenkämpferische Linke aus der Defensive zu bringen, heisst im Jetzt für eine klassenkämpferische Position einzustehen – ob auf der Strasse oder am Arbeitsplatz.

(az/agkk)

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