kita 1Kindertagesstätte Pop e Poppa - Profite auf Kosten der BetreuerInnen und Kinder

Es hört sich an, wie aus einem kitschigen Film über skrupellose Geschäftemacher. Letztes Jahr hat die zweitgrösste private Firmenkette für Kindertagesstätten Pop e Poppa mit einem Schlag 7 KiTas in Zürich und 3 in Bern aufgekauft. Und schon ein Jahr nach der Übernahme will Pop e Poppa nun die Monatslöhne der KinderbetreuerInnen um 200.- senken, den branchenüblichen Mindestlohn unterbieten, Stellenprozente abbauen und setzt ihren Angestellten das Messer an den Hals: Entweder sie unterschreiben den schlechteren Vertrag oder sie werden entlassen. Und auch von den Eltern hat die KiTa-Kette ganze 30.- mehr Beiträge pro Tag verlangt.

Die zwei Manager Frédéric Chave und Frédéric Baudin von Pop e Poppa zeigen mit ihrer Mutter-Firma Amalthée, um was es ihnen geht. Die Betreuung von Kindern kann ein lukratives Geschäft sein, wenn man gewillt ist, die schon niedrigen Löhne und widrigen Arbeitsbedingungen der KinderbetreuerInnen zu verschärfen und die Betreuungsqualität bis an die Grenze des Erlaubten zu verschlechtern. Gespart wird, wo es nur geht – bei Pop e Poppa zum Beispiel beim Essen, bei den Löhnen, bei der Weiterbildung und bei den Räumen. Die Elternbeiträge werden indessen natürlich erhöht.

Wer sich die Arroganz der Manager von Pop e Poppa vor Augen führen will, kann die MitarbeiterInnen-„Information“ ganz öffentlich auf Youtube ansehen. Dort anerkennt Baudin, dass die Pandemie-Zeit für die KinderbetreuerInnen hart war, um dann mit der Kaltschnäuzigkeit eines kapitalistischen Betriebsökonomen deren vermehrten Krankheitstage als eine Frage der geringen „Arbeitsmoral“ abzukanzeln. Was noch als gescheiterter Versuch, Empathiefähigkeit vorzugaukeln, beginnt, kommt dann schnell zur eigentlichen Aussage: Der Kapitalist präsentiert die Kennzahlen und kommt leider zum Schluss,  dass die Angestellten – um pop e poppa als Marktführer zu platzieren – jetzt noch mehr Abstriche machen und den Gürtel enger schnallen müssen. Gleichzeitig präsentiert sich Pop e Poppa und die dahinterstehende Firma Amalthée mit Blick auf ihre KundInnen natürlich als „finanziell gesunde Gruppe“. Natürlich steht Frédéric Chave seinem Geschäftsparnter Baudin bezüglich der verqueren Verständnisfähigkeit in keiner Weise nach. So propagierte dieser am letztjährigen Frauen*streik, der Beitrag der pop e poppa am Streik bestehe darin, ihre KinderbetreuerInnen weiterarbeiten zu lassen. Die Manger von pop e poppa stellen also solche selbstbewusste Kapitalisten dar, die keine Scham empfinden, unten die Schraube anzuziehen, um oben die Profite zu sichern.

Die Bosse wollen die Krise nutzen

Pop e Poppa nutzt dabei die Pandemie-Krise dreist aus, um auch in Zukunft weiter Profite aus ihren Angestellten zu schlagen. So sagen sie selbst unverhohlen in einem Interview: „Wir machen das nicht wegen Corona, aber wir machen es wegen Corona jetzt“. Das erleben wir als Lohnabhängige auch in vielen anderen Firmen. Die KapitalistInnen nutzen die Gunst der Stunde und die Zukunftsängste der Angestellten in der aktuellen Krise, um geplante Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durchzuboxen. Und im Bereich der Gesundheit und der Betreuung – also der Sorge-Arbeit – nutzen sie zusätzlich die Solidarität und Aufopferung der Angestellten für ihre PatientInnen und Kinder, um zu ihren Profiten zu kommen. Was Pop e Poppa mit seinen Angestellten macht, steht also symbolisch für viele Erfahrungen von ArbeiterInnen und Angestellten in der Pandemie. Die KapitalistInnen wollen die Krise auf unseren Rücken abwälzen.

Kindertagesstätten vergesellschaften

Die Skrupellosigkeit der privaten KiTa-Kette Pop e Poppa (aber auch von Globegarden) ist aber nur die Spitze des Eisberges im Kinderbetreuungsbereich. Sie sind nur die, welche die kapitalistische Logik am konsequentesten und rationalsten umsetzen. Was bei Pop e Poppa passiert, ist das, worauf die neoliberale Spar- und Privatisierungspolitik der letzten Jahrzehnte hinaus wollte, und das, was der einzige Sinn eines kapitalistischen Systems ist: Es geht nur um Profite für das Kapital und die Bedürfnisse der Menschen müssen sich dem unterordnen.

Diese kapitalistische Logik – und das sehen immer mehr Menschen – treibt die Welt aber in den ökonomischen, politischen und ökologischen Abgrund. In den letzten zehn Jahren ist augenscheinlich geworden, dass er ausser Krieg, Krisen, gesellschaftlichen Rückschritten und Pandemien nichts mehr zu bieten hat. Die mit der Pandemie angestossene – aber schon längst wirksame – fundamentale ökonomische Krise wird uns noch mehr die radikalste und gleichzeitig einfachste Frage aufzwingen: Soll die Gesellschaft auf der Jagd nach Profiten zugrunde gehen oder brechen wir mit der Kapitallogik und bauen eine neue Gesellschaft auf, die fundamental auf den Bedürfnissen der Menschen beruht? Die positive Antwort findet sich in den Protesten von Millionen von Lohnabhängigen und Unterdrückten auf der Welt und auch hier wurde sie im letzten Jahr mit der grössten Demonstration der Schweizer Geschichte – dem Frauen*streik – auf die Strasse getragen.

Und solche Proteste können zum Beispiel die gesellschaftliche Kontrolle der Kinderbetreuung erkämpfen. Das geht nur, wenn BetreuerInnen und Eltern für ihre Interessen selber einstehen. Eine erste Möglichkeit, solchen Widerstand gegen solche Zustände aufzubauen, ist eine geplante Demonstration „Kinderbetreuung am Limit“ am 26. September.

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