Das diesjährige Davoser Treffen vom 23.-26. Januar steht unter dem Motto „Strenghtening cooperation in a fractured world“. Wir analysieren zwei Schlagworte, die im Zentrum ihrer Weltsicht stehen: „Inclusive Growth“ und „Industrie 4.0“

Wie immer scheut sich die Führung des WEF nicht, Aspekte der aktuellen Situation relativ klar beim Namen zu nennen: „Geostrategische Risse mit weitreichenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen, sind an mehreren Fronten entstanden.“ Politisch äussere sich das in konkurrierenden strategischen Sichtweisen, bedingt durch nationale, regionale und globale Spaltungserscheinungen. Ökonomisch konkurrieren sich Strategien zur Aufrechterhaltung der Globalisierung und Verminderung ihrer negativen Effekte, doch sind die resultierenden Vorschläge Stückwerk, voller Vorurteile und uninformiert, wenn es um nachhaltige Entwicklung, um Wachstum, das die Menschen einbindet, und um die vierte industrielle Revolution geht. Sozial werde der soziale Vertrag zwischen den Staaten und ihren BürgerInnen weiter untergraben. Schwab spricht von „unserer kollektiven Unfähigkeit, ein Wachstum zu sichern, das Arbeitskräfte einbindet (inclusive growth) und unsere knappen Ressourcen bewahrt. Dies setzt mehrere globale Systeme gleichzeitig Risiken aus.“ Das Wort „fractured“ in der Parole heisst eigentlich „zerbrochen“. Die Welt, ein Scherbenhaufen?

Schlagwort „Inclusive Growth“

Welchen Kleister hat das WEF, um die Scherben zusammenzukleben? Ihr Allheilmittel ist bekanntlich das Wirtschaftswachstum, das meist als Bruttoinlandprodukt (BIP) ausgedrückt wird. In der chronischen Krise ist das „ungenügend“, was kontinuierliche Restrukturierungen erzwingt. Diese schliessen immer mehr ArbeiterInnen aus der Produktion aus. Wie das in den letzten 20 Jahren konkret aussah, illustriert folgende Grafik aus der NZZ vom 10.11.2017:

Auffallend ist, dass vor allem Berufe mit mittlerem Qualifikationsniveau wegrationalisiert wurden. Dagegen bleibt die Beschäftigungsrate bei der einfachen Arbeit etwa konstant. Darunter fallen viele Jobs z.B. auf dem Bau, die nicht einfach von Maschinen erledigt werden können. In der Schweiz, die im letzten WEF-Rating der globalen Konkurrenzfähigkeit an oberster Stelle steht, wurden ungefähr gleich viele hochqualifizierte Stellen, vorwiegend in Forschung und Entwicklung von „Maschinerie“ geschaffen. Im Durchschnitt der Metropolenländer sinkt dieser Anteil aber um mehr als die Hälfte. Die Schere zwischen diesen und einfachen Jobs tut sich also auf.

Wie es in den Ländern des Trikont aussieht, vermittelt ein Bericht des International Fund for Agricultural Development (IFAD) aus dem Jahr 2016. Der Bericht integriert erstmals die landwirtschaftliche Entwicklung in jedem Land in die entsprechende allgemeine Wirtschaftsentwicklung. Das Kapitel zu Afrika lässt folgendes Fazit zu: Eine nachholende Industrialisierung, die in nennenswertem Umfang Arbeitsplätze schaffen würde, ist dort wegen der hohen Produktivkraft der weltweiten Konkurrenz nicht mehr möglich. In den kommenden 20 Jahren werden aber eine halbe Milliarde junger Erwachsener auf den kärglichen Arbeitsmarkt drängen. „Inclusive growth“ würde ein Wachstum bedeuten, das diese Arbeitssuchenden integrieren könnte, was absolut utopisch ist.

Schlagwort „Industrie 4.0“

Viele Jobs, die vor allem in der Vermittlung von Informationen bestanden, wurden längst durch die Digitalisierung überflüssig. Diese hat eine moderne Form zusätzlicher Ausbeutung geschaffen: Viele ProletInnen beantworten auch in ihrer Freizeit Mails auf ihrem Handy oder nehmen noch schnell einen Anruf entgegen. Damit verlängert sich automatisch der Arbeitstag und damit auch der Mehrwert der ausgepresst wird. Dieses Phänomen ist im Alltag weit verbreitet, während die sehr schlecht bezahlte Heimarbeit am Computer eher eine Randerscheinung der Digitalisierung ist.

Nur, das alles ist noch nicht Industrie 4.0. Diese ist ein von der deutschen Regierung und Anhängseln ausgerufenes Programm, das eine Richtung der Entwicklung der produzierenden Industrie aufzeigen soll. „Smart Factory“ heisst ein eingängiges Schlagwort, von dem eine hohe Wertschöpfung erwartet wird. Es zielt auf eine möglichst hohe Autonomisierung der Produktion in Fabriken ab. Jedoch sind sich auch die Autoren und Vordenker dieses Programms ihrer Grenzen bewusst: „Vollständige Autonomie dezentraler, sich selbst steuernder Objekte gibt es aber auf absehbare Zeit nicht.“

Bezug zum Imperialismus

Industrie 4.0 ist ein Versuch, die produzierende Industrie in Deutschland zu stärken, aber gleichzeitig auch eine Kampfansage an die andern Kapitalfraktionen und an das Proletariat. Denn konstant ist die Rede von flexibleren Arbeitszeiten und Arbeitsplätzen.

Es gibt in Japan und China ähnliche Programme, sowie in den USA die Initiative Industrial Internet Consortium (IIC). Letztlich bedeutet dies, dass noch mehr Arbeit mit mittlerem Anforderungsniveau verloren geht und die Schere zwischen der einfachen und der komplizierten Arbeit sich weiter öffnen wird.

Es wird mehr sehr einfache Arbeiten geben, um automatisierte Systeme am Leben zu erhalten, und mehr komplizierte, um diese zu entwickeln. Während die komplizierte Arbeit meist in Metropolen ausgeführt wird, wo auf die Bildungsinstitute zurück gegriffen werden kann, um die entsprechend ausgebildeteten Arbeitskräfte zu finden oder die Entwicklung teilweise auszulagern, wird die einfache Arbeit oft in Länder ausgelagert, in denen das Bildungsniveau, hauptsächlich aber das Lohnniveau niedrig ist und die Gesetzgebung zu Arbeitszeit, Vorsorge etc. lasch sind. Der Kapitalexport wird zunehmen und damit der Druck auf das Proletariat in den Metropolen, noch billiger zu arbeiten.

Aus: aufbau 91

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