(agf) Letzte Woche, nur einen Tag vor Erdogans Besuch in Berlin, konnten wir an einer Gedenkveranstaltung für Sehîd Mam Zeki teilnehmen. Seine Ermordung durch die Türkei war ein Angriff auf die Jesidische Selbstorganisierung und kurdische Freiheitsbewegung.

Auf einer trockenen Ebene in den Bergen Shengals wurde ein grosses Zelt aufgestellt. Darunter sassen die Menschen aus Serdest, einer Zeltstadt die als Zufluchtsort vor Daesh entstand. Dazu kamen VertreterInnen verschiedener jesidischer und kurdischen Organisationen aus verschiedenen Regionen Kurdistans, sowie die Kämpfer und Kämpferinnen der Selbstverteidigungseinheiten YJS und YBJ. Man kam zusammen, um sich an Sehîd Mam Zeki zu erinnern.

Mam Zeki wurde am 15. August dieses Jahres durch einen Drohnenangriff der Türkei gezielt ermordet. Wieder einmal führt Erdogan seinen Krieg gegen die Kurden mit Bewilligung anderer Staaten. Mam Zeki und elf weitere Freunde wurden auf irakischem Boden ermordet. Da die USA den irakischen Luftraum kontrollieren, müssen sie auch ihr OK gegeben haben. Die Killerdrohne, welche benutzt wurde, ist ebenfalls ein Produkt der US-Kriegstechnologie. Des Weiteren stellt sich die Frage, wo die Flugzeuge abgehobenen sind. Die Türkei ist dafür zu weit entfernt. Es steht die Vermutung im Raum, dass sie irgendwo im Nordirak, also mit freundlichen Grüssen von Barzanis KdP, starteten.

Der Genozid an den JesidInnen wird fortgesetzt Um die Ermordung Mam Zekis in ihrem Ausmass zu verstehen, muss man die Geschichte Shengals kennen: Die Jesidische Geschichte ist eine Geschichte der Unterdrückung, bereits 74 Genozide wurde an diesen Menschen verübt. 2014 war der letzte. Daesh zog im Shengal ein und die Peschemerga, das Militär des iraksichen Autonomiegebietes, rannte davon. Die Bevölkerung, völlig im Stich gelassen, wurde schutzlos ihrem Schicksal überlassen. So wüteten die radikalen Islamisten mit all ihrer Brutalität und Barbarei. Der 3. August 2014 hat sich tief in das Herz der Jesiden eingebrannt. Noch heute sind viele jesidische Frauen in den Händen des Daesh. Tausende Menschen wurden ermordet und wer konnte, flüchtete. Sie suchten Schutz in den Bergen des Sindschar. Zeugnis davon ist Serdest, wo heute noch immer Tausende in Zelten leben.

Von diesem Massaker erschüttert, eilte die kurdische Guerilla aus den Bergen nach Shengal. Sie kämpften dort 11 Monate. Seite an Seite mit den neu gebildeten jesidischen Selbstverteidigungseinheiten und der YPG/ YPJ aus Rojava stellten sie sich Daesh entgegen. Bis dieser schliesslich vertrieben wurde. Es ist für uns heute beeindruckend zu sehen, welche tiefe Liebe die Jesiden für die Guerilla empfinden. Dass Menschen einer anderen Kultur und Region für sie zu kämpfen und sterben bereit waren, hat die jesidische Gesellschaft unumkehrbar verändert. Die Guerilla löste eine unglaubliche Dynamik aus, denn sie brachte auch die Ideologie der kurdischen Freiheitsbewegung mit. Selbstverteidigungseinheiten wurden gegründet. Wie die YPJ in Rojava, gibt es auch eine Frauenarmee, die YJS im Shengal. Nicht nur im militärischen Bereich organisieren sich die Frauen und tragen die Revolution vorwärts. Auch im Zivilen bilden sich Frauenräte und Frauenzentren werden eingerichtet. Dies ist beeindruckend, wenn man berücksichtigt, dass die Jesidische Gesellschaft bis vor dem Genozid des Daesh sehr patriarchal geprägt war. Frauen hatten in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Heute sind sie aus dieser nicht wegzudenken, egal ob in Uniform oder Zivil.

Langsam kehren die Menschen zurück. Auch wenn die irakische Regierung und die KdP Barzanis alles tun, um sie daran zu hindern. In einer Region, in der hunderttausende Menschen lebten, waren 2014 noch etwa 10‘000-15‘000 Einwohner übriggebliben. Heute sind es wieder an die 70‘000 Menschen.

Doch die Revolution geht weiter

Seit 2014 ist der Shengal selbstverwaltet. In diesem revolutionären Prozess spielte Mam Zeki eine zentrale Rolle. Er arbeitete seit über 20 Jahren für die Jesidische Bevölkerung und hatte eine Führungsrolle der Bewegung. Er trug die Konzepte des demokratischen Konföderalismus und der Revolution der Frau in den Shengal. Für die Jesidische Bevölkerung hatte er den Charkter eines Anführers. Er brachte die Werzeuge, mit denen sie sich zu einer selbstbestimmten Kraft entwickeln. Wenn die Jesidinnen heute stolz sagen, dass sie sich nun selber verteidigen können, dann drücken sie damit auch ihren Dank gegenüber Sehîd Mam Zeki aus.

Dies zeigte sich auch an der Gedenkveranstaltung. Es war spürbar, wie wichtig es ist, sich alle zusammen zu erinnern. Sich alle zusammen dem Erbe, das Mam Zeki hinterlassen hat, bewusst zu werden. In Erinnerung wird uns unsere Freundin Tanja bleiben, wie sie sagte: „Mam Zeki ist tot. Nun ist es an uns allen, Mam Zeki zu sein.“

 

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