Die Message, mit welcher sich die parlamentarische Politik diese Tage an die Bevölkerung richtet, ist so einfach wie eindringlich: Bleiben Sie so gut es geht Zuhause. Dieses Zuhause wird mit der bürgerlichen Kleinfamilie gleichgesetzt. Gerade für Frauen und Kinder ist dieses Zuhause jetzt oft nicht die harmonische Blase, als welche sie im bürgerlichen Verständnis vermarket und reproduziert wird.

 

(agf) Diverse Expert_innen warnen seit Wochen eindringlich vor einer Zunahme häuslicher und sexualisierter Gewalt während der Selbstisolation. Bei Opferberatungsstellen und Schulsozialdiensten verzeichnet man bereits messbare Zunahmen. Diese Gewalt passiert nicht nachts im Park, sondern in den eigenen vier Wänden, in der so genannten privaten Sphäre, wo auch das Leid, welches den Betroffenen widerfährt, als privat betitelt, politisch marginalisiert und letztendlich unsichtbar gemacht wird.

Frust, finanzielle und existentielle Nöte, ein oftmals gesteigerter Alkoholkonsum und das absolute Wegfallen jeglicher Ausweichmöglichkeit führen nachweislich zu einer Zunahme häuslicher Gewalt. Dabei wird von einigen Expert_innen zwischen situativer Gewalt unterschiedene, welche aufgrund der veränderten Lage in bis dato zumindest oberflächlich intakten Partnerschaften ausbrechen kann und einem Gewaltregime, welches bereits vorgängig bestand, durch die erwähnten Faktoren aber noch an Brutalität zunimmt. Häusliche und sexualisierte Gewalt im so genannten intimen Kontext sind Phänomene, welche quer durch alle Gesellschaftsschichten auftreten.

Vor dem Hintergrund der Covid-19 Krise und der sich daraus abzeichnenden kapitalistischen Krise wird diese Gewalt aber vermutlich proletarische Frauen vermehrt treffen: Wenn nur wenig Erspartes auf der hohen Kante liegt und wenn der Job verloren zu gehen droht, dann fürchten sich proletarische Menschen berechtigterweise vor der Zukunft. Wenn zusätzliche Faktoren hinzukommen, wie z.B. nervige Kinder, die mit der Isolation und dem Bewegungsmangel nicht klarkommen oder wenn das Homeschooling Kinder wie Eltern überfordert, dann kann man sich in der engen Dreizimmerwohnung dem Stress nicht entziehen und die Eskalation ist so gut wie vorprogrammiert. 

Der Frust und die Angst der Männer angesichts der klassenspezifischen Auswirkungen der aktuellen Lage richtet sich gegen die Frauen in ihrem Umfeld. Darin treten die patriarchalen Strukturen im Kapitalismus zutage: der gesellschaftlich entmachtete Proletarier gibt seine Erfahrung von Ausbeutung und Unterdrückung weiter, besitzt er ja zumindest noch die Gewalt über „seine“ Frau. Laut Schweizer Kriminalstatistik geht häusliche Gewalt, zumindest die registrierte und angezeigte, zu rund 80% von den Männern aus. Dass Frauen als Ventile des männlichen Frustes hinhalten müssen, ist kein Zufall und kein Recht des Stärkeren, sondern Ausdruck pervertierter, patriarchaler Besitzvorstellungen.

Quer durchs Land sind Frauen- und Mädchenhäuser unterfinanziert und überbelegt, es fehlt an adäquaten Ausweichmöglichkeiten für illegalisierte Frauen ,Trans*frauen und Kinder. Viele Frauenhäuser müssen einen gewissen Belegungsgrad aufweisen, um überhaupt Subventionen zu erhalten – doch Belegungsgrade fluktuieren und Finanzierungsausfälle führen dazu, dass in Notlagen oftmals nicht genug Betten zur Verfügung stehen. Während Prävention immer noch als Problem und Sache der betroffenen Frauen angesehen wird , wird das Rollenverständnis der Kleinfamilie zementiert- und mit ihm auch die Gewaltstrukturen.

Die momentane Krise ist nicht nur eine Krise des Gesundheitssystems, des kapitalistischen Profitdiktat und der parlamentarischen Politik, es ist auch eine Krise der Kleinfamilie. Nutzen wir sie, um aufzuzeigen, dass die bürgerliche Mann-Frau-Kind Logik keine unantastbare Entität ist.

Der Frauenkampf ist während der COVID-19 Krise wichtiger denn je. Frauen schuften momentan nicht nur in einem Grossteil der sogenannten systemrelevanten Berufe und setzen als Pflegepersonal an vorderster Front ihre Gesundheit aufs Spiel. Es sind auch sie, die grösstenteils die Kinder zuhause betreuen, weiterhin den Haushalt schmeissen und womöglich noch emotionale Arbeit leisten müssen, um den Stress und Frust der Männer abzufangen.

Die Zustände unter COVID-19 zeigen uns eindringlicher denn je, dass wir andere Strukturen organisieren müssen. Ein gutes und selbstbestimmtes Leben für alle, egal welchen Geschlechts oder Alters, ist möglich. Sorgearbeit muss kollektiviert und die Kleinfamilie hinterfragt werden. Im Privaten, wie auch auf der Arbeit, gilt es Kapital und Patriarchat anzugreifen, denn auch wenn die COVID-19 Krise vorbei ist, dauert die Unterdrückung der Frauen weiter an- und mit ihr die Gewalt.

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