Die Räumung des Labitzke-Areals steht an. Das letzte Kapitel einer langen Geschichte, das finale Bouquet im Feuerwerk. Das Areal bietet Anschauungsmaterial für vieles, was in der Stadtentwicklung Zürichs gang und gäbe ist. Beispielsweise BesetzerInnen, die sich leerstehenden, ungenutzten Raum aneignen, diesen herrichten und danach für kulturelle, soziale und politische Aktivitäten nutzbar machen. Menschen, die gewissermassen eine Aufwertung von unten vorantreiben, ohne sich gross um bürgerliche Eigentumsverhältnisse zu kümmern. Der Raum gehört denen, die ihn nutzen – nicht den BesitzerInnen. Doch spielen natürlich auch diese eine Rolle im Stück, in diesem Fall die Mobimo AG. Eine Firma, bei der bis vor kurzem Urs Ledermann Verwaltungsratspräsident war, der Ledermann, welcher bei der profitträchtigen Aufwertung des Seefelds ganz kräftig mitmischt. Nach dem Prestigebau des Mobimo Towers in Zürich-West soll nun also in Altstetten das nächste Prunkstück im Portfolio der Mobimo AG folgen. Schliesslich soll Altstetten “das neue Trendquartier Zürichs” werden. Klar, dass die Mobimo da mitmischen will.

Klar ist auch, dass die Bühne nicht nur Mobimo und BesetzerInnen gehört. Sie bietet Platz für einen grösseren Kontext: Den der Desindustrialisierung in Europa, sowie der globalen Kapitalismuskrise. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beherbergte das Gelände noch eine Farbenfabrik, bis in den 1990er-Jahren die Produktion eingestellt und das Areal günstig verkauft wurde. Über fast 20 Jahre hinweg besitzt dann Fredy Schönholzer das Gelände, er lässt es verlottern und droht BesetzerInnen auf dem Areal mit Schlägertrupps. 2011 kauft die Mobimo AG Schönholzer das Areal ab, es wird in der Krise erkannt, was für Renditemöglichkeiten in städtischem Raum liegen. Schliesslich ist der Boden beschränkt, während immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Beste Voraussetzungen für das Kapital (hier vertreten durch die Mobimo) kräftig zu investieren: Von 2007 bis heute stieg das Total der Bauausgaben in der Schweiz von 51 auf 63 Milliarden Franken. Man fragt sich bloss, wo denn all die zahlbaren Wohnungen bleiben – und denkt sogleich an die Europaallee, den Primetower oder jetzt eben das Mobimo Projekt. Wo gebaut wird, geht's um Rendite, und die lässt sich mit zahlbaren Wohnungen nun mal nicht machen.

Die Geschichte des Areals ist die Geschichte der Produktivkraft-entwicklung, von Stadtaufwertung im Dienste des Kapitals, von Interessen privater BesitzerInnen gegen diejenigen kollektiver NutzerInnen. Aber es ist auch die Geschichte des Kampfes gegen diese Entwicklung, ein Kampf, der Teil einer antikapitalistischen Praxis ist. Bullenchef Richard Wolff, die Mobimo und die Stadt setzten auf Verhandlungen und Gespräche; es schwebten ihnen wohl legale Zwischennutzungsverträge oder ähnliches vor, wie sie das Projekt “Interim” (das sich auch damit brüstet, "bereits die dritte Zwischennutzung mit Ledermann Immobilien AG zu realisieren") oder Wolff in seinem Buch “zone*imaginaire” anbieten und vorschlagen. Mit jedem Aufruf, jeder Barrikade und jedem Spray wuchs aber der Druck auf sie, so dass mitunter vor Gericht Zeit erkämpft werden konnte. Jetzt steht die Räumung bevor. Es gilt anzunehmen, dass Wolff und Konsorten dann nicht mehr auf Zuckerbrot, sondern auf Peitsche setzen werden. Entsprechend gilt es, diese Auseinandersetzung in den richtigen Kontext zu setzen und sie bedacht zu Ende zu führen. Sich nicht nur auf das Beispiel Labitzke beschränken, sondern die Stadtentwicklung im Kapitalismus im Allgemeinen kritisieren. Nicht nur jetzt und hier gegen diese Aufwertung kämpfen, sondern immer und überall für die Möglichkeit einer Alternative zum Bestehenden arbeiten.

Für Stadtaufwertung von unten statt von oben!

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